Euro-Rettung
Angriff auf die deutschen Steuerzahler

Die Euro-Zone kommt nicht zur Ruhe: Zur Krise der Staaten gesellt sich die Krise der Banken. Die Rettungspolitiker reagieren mit Aktionismus, Vorschläge von IWF und EZB sorgen für Unmut – vor allem in Deutschland.
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BerlinDie Bewältigung der Euro-Krise entwickelt sich mehr und mehr zu einem Endloskampf ohne absehbares Ende. Die Brandherde beschränken sich nicht mehr nur allein auf Staaten und ihre teilweise immense Verschuldung, sondern greifen jetzt auch sichtbar auf den Finanzsektor über. Befeuert wird die Entwicklung noch durch eine immer schlechter laufende Konjunktur. Enttäuschende Industriedaten aus China, Europa und den USA bleiben nicht ohne Wirkung auf die Märkte. Zusätzlich auf die Stimmung drückt die - allerdings lange erwartete - Entscheidung der Ratingagentur Moody's, 15 internationale Großbanken herabzustufen.

Die Probleme werden offenbar nicht weniger, sondern tendenziell eher mehr. Da hilft es auch wenig, dass sich die Sorgen um einen Euro-Austritt Griechenlands nach dem Sieg des Reformlagers zwischenzeitlich gelegt haben. Die  eskalierende Schuldenkrise setzt nun auch Spanien und Italien immer mehr zu. Die Rettungspolitiker sind gezwungen, Lösungen zu finden. Deshalb beschwört der italienische Ministerpräsident Mario Monti auch den EU-Gipfel kommende Woche als die letzte Möglichkeit für eine Krisenlösung. Nach Einschätzung Montis müssen einzelne Euro-Länder mit "eskalierenden Spekulationsangriffen" rechnen, wenn bei dem Gipfel am Donnerstag und Freitag nächster Woche keine dauerhafte Lösung der Schuldenkrise gefunden wird. Vor allem die schwächeren Länder müssten Attacken befürchten, sagte Monti in einem Gespräch mit mehreren europäischen Zeitungen, darunter die "Süddeutsche Zeitung". Auch Italien würde wieder stärker unter Druck geraten. Nicht nur die Länder, die die Vorgaben der EU nicht erfüllt hätten, stünden dann am Abgrund, sondern auch solche Länder wie Italien, die einen hohen Schuldenberg angehäuft hätten.

In dieser Gemengelage will Monti heute in Rom gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy versuchen, eine Wachstumsagenda für die EU abzustecken. Sie wollen damit den EU-Gipfel Ende kommender Woche vorbereiten. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der vier größten Volkswirtschaften der Euro-Zone dürfte es auch darum gehen, wann und wie viel Hilfe Spanien aus den Euro-Rettungsschirmen für seine Banken beantragt. Rezepte, wie die Probleme Spaniens und der Rest-Euro-Zone angegangen werden sollen, liegen bereits auf dem Tisch. Doch sie sind wie andere Vorschläge, die derzeit kursieren, höchst umstritten, einige davon sorgen vor allem in Deutschland für Unmut. Die Bundesregierung dämpfte bereits die Erwartungen an das Treffen. "Es werden dort keine Beschlüsse gefasst", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin.

Dabei geht es oftmals gar nicht um wirklich neue Ideen, wie der jüngste Vorstoß des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigt. IWF-Chefin Christine Lagarde schlägt vor, im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise auch direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds EFSF und ESM in Erwägung zu ziehen. Davon war schon einmal vor einigen Wochen die Rede. „Es muss eine direkte Verbindung (zwischen Fonds und Banken) geben“, sagte Lagarde am späten Donnerstagabend in Luxemburg nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern. Die EU-Kommission unterstützt diese Vorschläge. Bisher sind direkte Bankenhilfen aus den Rettungsfonds rechtlich nicht möglich. Lagarde forderte auch, dass die Europäische Zentralbank mit einer „kreativen Geldpolitik“ helfe müsse, die Krise einzudämmen. Dazu könnte eine Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder gehören. In Berlin regt sich bereits massiver Widerstand gegen die IWF-Überlegungen.

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  • Für Lilly

    Da gibt es einige Möglichkeiten; es kommt darauf an, wer sie durchführt z.B. Länder wie China oder wo sie durchgeführt werden im Devisen oder Anleihe Sektor auch der Aktiensektor spielt im weiteren Sinne eine Rolle. Das Ganze ist ein sehr komplexes und schwieriges Thema, vor allem für einen Laien, und daher kaum in ein paar Sätzen befriedigend zu beantworten. Bin jetzt leider zu müde um noch mehr dazu zu schreiben. Wenn Du das Thema ernsthaft verstehen möchtest musst Du Dir das Thema mit Google erarbeiten oder an der Uni Fachvorlesungen besuchen. Versuchs mal bei You Tube; Stichworte eingeben und Vorträge raussuchen; da gibt es ein paar ganz gute Sachen, die Dir weiterhelfen können für den Anfang. Begriffe, die Du in diesen Videos nicht verstehst musst Du Dir dann über Googel erarbeiten.

  • @Sklave

    Falls es zu Gewinnen kommen sollte, gehen die, an die Deutsche Exportindustrie und an die internationalen Geldgeber in Form von Schuldzinsen. Der Deutsche Steuerzahler hatte in den letzten 10 Jahre nichts davon; siehe Lohnkürzungen, Steuererhöhungen, Verwahrlosung der Kommunen, steigende Privatinsolvenzen etc.etc.

  • @ Adolf

    Die griechischen Politiker haben leider noch nicht kapiert, dass man mit Schafskäse allein keine Panzer kaufen kann. Sie kaufen diese Panzer aber doch um schön mächtig zu bleiben und machen Schulden, die der durchschnittliche Grieche jetzt nicht mehr bezahlen kann. Da die Schulden aber bis heute so gestiegen sind, weil zu viele Griechen "vergessen" haben ihre Steuern zu bezahlen, sollen jetzt die Deutschen diese Schulden bezahlen und das obwohl die griechischen Steuerhinterzieher, allein in der Schweiz, fast 200 Milliarden Euro nicht bezahlte Steuern liegen haben.
    Laut Gutachten von Prof. Thomas Koblenzer, einem Schweizer Anwalt für Steuerrecht, gibt es im Schweizerrecht für den griechischen Staat die Möglichkeit, die Schweiz um Rechtshilfe in Strafsachen zu bitten, damit eben genau diese griechischen Vermögen vom griechischen Staat herangezogen werden können. Laut seiner Aussage hätten die griechischen Behörden schon seit Jahren!!!! tätig werden können, haben aber dies bis zum heutigen Tag noch nicht getan.
    Link: http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/10867266_weltspiegel/10867304_griechenland-spargroschen-und-steuermilliarden-
    Na Adolf, da staunst Du was, diese griechischen Politiker der letzten Jahre und griechischen Steuerhinterzieher sind alles Betrüger ohne Ehre und ohne Stolz, sie verraten ihr Land und ihre Landsleute.

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