Euro-Rettung
Schäuble beziffert Risiko auf 72,9 Milliarden Euro

Erstmals hat das Finanzministerium zusammengestellt, mit wie viel Geld Deutschland bei der Euro-Rettung ins Risiko gegangen ist. Die Summe ist so groß wie der Verteidigungs-, Verkehrs- und Gesundheitshaushalt zusammen.
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BerlinBisher ist die Euro-Rettung für den Steuerzahler ein gewinnträchtiges Kreditgeschäft: Der Bund hat bis Ende 2011 von Griechenland 380 Millionen Euro Zinsen für die Hilfskredite aus dem ersten Hilfspaket bekommen.

Erstmals hat das Finanzministerium jetzt auf Anfrage des Haushaltsausschusses genau zusammengestellt, mit wie viel Geld Deutschland bei der Euro-Rettung ins Risiko gegangen ist: Insgesamt beläuft sich der deutsche Anteil an den Hilfspaketen I und II für Griechenland sowie den Programmen für Portugal und Irland auf 72,9 Milliarden Euro - so viel wie Verteidigungs-, Verkehrs- und Gesundheitshaushalt in Deutschland 2011 zusammen ausmachten.

Der Löwenanteil an Krediten und Garantien mit zusammen 60,2 Milliarden Euro wurde für Griechenland zusammengestellt. Aus dem ersten Hilfspaket flossen aus Deutschland bisher über die staatliche KfW-Bankengruppe 15,17 Milliarden Euro an Krediten. Weitere 7,23 Milliarden Euro sollen über den vorläufigen Rettungsfonds EFSF ausgezahlt werden. Das zweite Hilfspaket besteht aus Garantien für Kredite, die der EFSF an Griechenland vergeben wird.

Deutschland ist an diesem 130 Milliarden Euro schweren Paket mit maximal 37,8 Milliarden Euro beteiligt. Wenn sich der Internationale Währungsfonds ebenfalls beteiligt - was wahrscheinlich ist - kann der deutsche Anteil noch um etwa zwei bis drei Milliarden Euro sinken. Im Rettungsfonds EFSF sind abzüglich der Hilfsprogramme noch 241 Milliarden Euro übrig. Die hohen Garantiesummen bedeuten, dass Deutschland keinerlei Interesse an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone haben kann. Käme es dazu, würden die bis dahin ausgereichten Garantien fällig, und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) müsste das Geld aus dem Bundeshaushalt überweisen. Gelingt es jedoch, Griechenland in den nächsten Jahren zu stabilisieren, werden im besten Fall gar keine Zahlungen fällig.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Euro-Rettung: Schäuble beziffert Risiko auf 72,9 Milliarden Euro"

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  • Mit dem illegalen ESM wird das Schuldenmachen automatisiert da sind wir sicher Bankrott den innerhalb von 7 Tagen muss überwiesen werden.

  • Volle Zustimmung! Nur wo sind die Juristen, die dem ein Ende setzen. Unsere Politiker, allen voran Merkel/Schäuble veruntreuen Volksvermögen und fügen damit dem Volk schaden zu. Außerdem belügen Sie das Volk bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
    Im Troika Bericht wurde bereits erwähnt, dass ein drittes Hilfpaket erforderlich werden wird und u.a. auf Drängen unserer Regierung wurde diese Passage gelöscht. Das ist vorsätzlicher Betrug.
    Abgesehen davon, dass auch gegen EU-Verträge verstossen wurde.
    Wo sind also die Juristen, die wir jetzt dringend brauchen?

  • Vielleicht ist das Komma auch nur eine Stelle nach vorne gerutscht, und es sollten 729 Mrd. sein?

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