Eurobarometer
Ostdeutsche Schlusslicht bei Europa-Wissen

Der Informationsstand der Deutschen über Europa lässt laut aktueller "Eurobarometer"-Umfrage zu wünschen übrig. Demnach weisen die Bundesbürger von allen Europäern mit die größten Wissenslücken auf. Am schlechtesten informiert und am pessimistischsten von allen seien die Bürger im Osten der Republik.

HB BERLIN. Beim Wissen über Europa bilden die Ostdeutschen das Schlusslicht. Das ist das Ergebnis des Frühjahr-Eurobarometers, das die EU-Kommission jetzt veröffentlichte. 48 Prozent bekamen danach die Osterweiterung 2004 nicht mit und glauben, die Union bestehe weiterhin aus 15 Mitgliedstaaten. Bei den Westdeutschen haben 38 Prozent die Erweiterung auf 25 Mitglieder nicht zur Kenntnis genommen.

Deutschland insgesamt liege mit 40 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent, Ostdeutschland hinter Rumänien und Bulgarien am Ende der Skala. 40 Prozent der Ostdeutschen wissen laut Umfrage auch nicht, dass die Europaabgeordneten in Deutschland direkt gewählt werden. 48 Prozent in Ost- und Westdeutschland vermuten fälschlicherweise, dass die EU den Löwenanteil ihres Budgets für Verwaltung und Personal ausgibt.

Allerdings ist jeder dritte Ostdeutsche (32 Prozent) und etwa jeder vierte Westdeutsche (27 Prozent) gegen die Aufnahme weiterer Länder in die EU. Dahinter steckt laut Umfrage vor allem die Angst vor dem Jobverlust durch Arbeitsplatzverlagerungen in Billiglohnländer: 85 Prozent der Deutschen sehen das laut Umfrage als Problem. Hinzu komme die Furcht vor dem Abbau von Sozialleistungen, die drei Viertel der Ostdeutschen und zwei Drittel der Westdeutschen plage.

Nur 34 Prozent der Ostdeutschen sind weiteren Ergebnissen zufolge mit der deutschen Demokratie zufrieden, aber 60 Prozent der Westdeutschen. Starke Unzufriedenheit mit der Funktionsweise der europäischen Demokratie herrsche vor. Nur noch 24 Prozent der Ostdeutschen glaubten, dass ihre Stimme in Europa zähle. Bei der Herbstumfrage 2005 waren das noch sieben Prozentpunkte mehr. Bei den Westdeutschen haben 37 Prozent ein positives Bild der EU-Demokratie, zwei Prozentpunkte weniger als im Herbst.

Sinkende Zustimmung zu Erweiterung

Auch europaweit sinkt danach die Unterstützung für eine erneute EU-Erweiterung. 45 Prozent der Bürger seien dafür, vier Prozentpunkte weniger als im Herbst. 42 Prozent hätten sich dagegen ausgesprochen, drei Punkte mehr als im Herbst. Auffallend scheint auch der Unterschied im alten Europa der 15 Staaten und den zehn Ländern der Erweiterungsrunde von 2004. Danach waren in der „alten EU“ nur 41 Prozent für eine erneute Erweiterung, in den zehn neuen Mitgliedsländern dagegen 66 Prozent.

Auch die Unterstützung für einen Verfassungsvertrag nahm danach ab: 61 Prozent waren der Umfrage zufolge dafür - zwei Prozentpunkte weniger als im Herbst - und 22 Prozent dagegen. 17 Prozent hätten sich unentschieden geäußert. In den beiden Ländern Frankreich und Niederlanden, in denen Referenden 2005 über die Verfassung scheiterten, gibt es leichte Unterschiede: 62 Prozent der Franzosen wollen jetzt einen Verfassungsvertrag und 59 Prozent der Niederländer. Die Franzosen liegen damit leicht über und die Niederländer leicht unter dem EU-Durchschnitt.

Für das europäische Stimmungsbarometer wurden laut EU-Kommission in der Zeit vom 27. März bis zum 1. Mai fast 30 000 Bürger aus 29 Ländern befragt: aus den 25 EU-Mitgliedstaaten, den zwei Beitrittskandidaten Rumänien und Bulgarien sowie den Bewerbern Kroatien und Türkei. Erstmals legte die Vertretung der Kommission in Deutschland den Schwerpunkt der Auswertung auf Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

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