Ex-Staatssekretär nach jahrelanger Flucht gefasst
Pfahls-Festnahme zunächst ohne Auswirkung auf Strauß-Urteil

Die französische Polizei hat den seit fünf Jahren flüchtigen früheren Verteidigungs-Staatssekretär Holger Pfahls festgenommen. Pfahls stand auf der BKA-Liste der meistgesuchten Personen in Deutschland. Der frühere CSU-Politiker gilt als zentrale Figur in der CDU-Spendenaffäre und im Strauß-Prozess.

cbu/sig/HB PARIS/MÜNCHEN. Er wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, als Staatssekretär der unionsgeführten Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) von dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber 3,8 Mill. DM Schmiergeld im Zusammenhang mit einem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien erhalten zu haben.

Die Ermittlungen der Augsburger Staatsanwaltschaft gegen Pfahls hatten die CDU-Spendenaffäre erst ins Rollen gebracht. Das Waffengeschäft in den 90er-Jahren wurde auch von einem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur CDU-Spendenaffäre beleuchtet. Kohl hat vor dem Gremium stets bestritten, dass Schmiergelder bei der Entscheidung für die Panzerlieferung eine Rolle gespielt haben.

Pfahls war vor seiner Tätigkeit im Verteidigungsministerium Büroleiter des 1988 verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) und Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Später war er unter anderem als Manager bei Daimler-Chrysler tätig. Um sich dem Zugriff der Justiz zu entziehen, war er 1999 untergetaucht.

Pfahls gilt auch als Schlüsselfigur in dem Prozess gegen den Strauß-Sohn Max. Das Landgericht Augsburg will zunächst an der geplanten Urteilsverkündung im Verfahren gegen Max Strauß am Donnerstag festhalten. „Wir werden den Termin bestehen lassen“, sagte der Vorsitzende Richter Maximilian Hofmeister am Dienstag dem Handelsblatt. Die Beweisaufnahme in Sachen Max Strauß ist eigentlich abgeschlossen, kann aber wieder aufgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren für Strauß wegen Steuerhinterziehung gefordert, die Verteidiger plädieren auf Freispruch.

Der Verteidiger von Max Strauß, Wolfgang Dingfelder, hat noch nicht endgültig entschieden, ob der Fall nun noch einmal neu aufgerollt werden soll. „Ich neige nicht dazu“, sagte er dem Handelsblatt. Strauß ist gesundheitlich angeschlagen.

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