Exit-Strategie gefordert
Anschlag löst neue Afghanistan-Debatte aus

Nach dem erneuten Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan ist die Debatte über eine Beendigung des Einsatzes am Hindukusch neu entbrannt. Die Union lehnte einen sofortigen Rückzug ab, die Grünen verlangten von der Bundesregierung ein Ausstiegsszenario.

HB BERLIN. "Es muss klar sein, dass wir in Afghanistan nicht auf ewig bleiben können", sagte der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir dem "Hamburger Abendblatt" vom Dienstag. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse der Bevölkerung "endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen".

Bisher sei die Kanzlerin beim Thema Afghanistan "merkwürdig leise" gewesen, sagte Özdemir. Der Europa-Abgeordnete betonte: "Afghanistan steht am Scheideweg. Mit einem bloßen "Weiter so' werden wir Afghanistan nicht zum Erfolgsmodell machen." Özdemir forderte einen Strategiewechsel. Die Vorgehensweise der Vereinigten Staaten, "den Fokus nur auf die Bekämpfung der Gegner zu legen", führe nicht weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt alle Anstrengungen darauf verwenden, die afghanische Armee und Polizei in die Lage zu versetzen, "ihre Aufgaben selbstständig und kompetent zu erfüllen".

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, wertete den Anschlag als Beleg für die "Brutalität und Hinterhältigkeit" der Taliban. Weil diese nicht einmal auf einheimische Muslime Rücksicht nähmen, werde "die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan von den Afghanen selbst mit großer Mehrheit gewünscht", sagte von Klaeden dem "Abendblatt". Ein sofortiger Rückzug der Bundeswehr würde Afghanistan seiner Ansicht nach "in die Terrorherrschaft der Taliban zurückwerfen".

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte den Terrorakt scharf. "Solche hinterhältigen Angriffe dienen nur dem Ziel, Stabilisierung und Wiederaufbau in Afghanistan zu untergraben", sagte Solana der Zeitung. Es sei "besonders traurig, dass die Terroristen diejenigen attackieren, die nach Afghanistan kommen, um eine bessere Zukunft zu schaffen".

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