Experten sehen keinen Widerspruch zwischen Mega-Uni und Eliteförderung
Streit um Münchener Unis bringt Bewegung in Hochschuldebatte

Die Aufregung an Münchens Universitäten ist groß. Seit Mitte der Woche bekannt wurde, dass Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber und sein Wissenschaftsminister Thomas Goppel eine völlige Neuordnung der Universitäten planen, fürchten nicht nur Professoren und Studenten um ihre Pfründe. Auch bundesweit wird eine neue Debatte um Hochschulstrukturen angestoßen.

MÜNCHEN. Stoiber hatte zuletzt die Expertenkommission „Wissenschaftsland Bayern 2020“ eingesetzt. Die empfiehlt jetzt in einem ersten Zwischengutachten die Zusammenlegung der beiden großen Münchener Hochschulen – der Ludwig-Maximilians Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU). Die neue „University of Munich“ würde die Stärken vereinen, neue Mittel frei machen und so zur internationalen Hochschul-Konkurrenz aufschließen, so die Hoffnung der Experten. Zudem habe ein Zusammengehen „Modellcharakter für andere Universitätsstandorte“.

LMU-Chef Bernd Huber warnt allerdings schon vor einer „Monster-Uni, einem Moloch, einem Koloss auf tönernden Füßen“. In der Tat würde die mit Abstand größte Universität in Deutschland entstehen: An der LMU unterrichten derzeit 810 Professoren 48 000 Studenten, an der TU kommen 480 Professoren auf 20 000 Studenten. Derzeit gibt es viele und teure Doppelungen: So werden an beiden Hochschulen etwa Betriebswirtschaft, aber auch viele Naturwissenschaften unterrichtet. Zudem werden in der Stadt drei Universitätskrankenhäuser unterhalten.

Experten zählen die beiden Münchener Universitäten zu den fünf besten in Deutschland. Detlef Müller-Böling, Chef des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), sieht zwischen Mega-Uni und Elitenförderung keinen Konflikt. „Das widerspricht sich nicht, ergibt sich allerdings auch nicht automatisch“, sagt er. Erforderlich seien kleine und bewegliche Organisationseinheiten unter dem Dach einer möglichen neuen „University of Munich“. Die Schlagkraft müsse sich erhöhen: „Es muss wirklich ein akademischer Nutzen entstehen.“ Zudem sollte der Staat die Zügel lockern, damit die Universitäten autonomer agieren können.

Entschieden ist noch nichts, aber Stoiber und Goppel unterstützen den Zusammenschluss im Grundsatz. Auch die CSU hat zuletzt das Thema Bildung und Wissenschaft entdeckt. 2004 wurden die Ausgaben im allgemeinen Sparkurs im Freistaat um immerhin fünf Prozent zurückgefahren. Für das kommende Jahr hofft Goppel nun wieder auf einen kleinen Zuwachs. Die CSU-Politiker, die auch Studiengebühren befürworten, setzen stark auf die Förderung von Eliten. Im Frühjahr hatte die Staatsregierung das „Elitenetzwerk Bayern“ ins Leben gerufen, das im gerade angelaufenen Semester startet. Ausgewählte Wissenschaftler und Studenten sollen universitätsübergreifend gefördert werden. Dazu wurden gut 220 neue Stellen geschaffen. Weitere 14 Mill. Euro kommen aus den Hochschuletats sowie aus der Unterstützung der Wirtschaft.

Elitenförderung und Mega-Universität, wie jetzt möglicherweise in München, seien kein Widerspruch, betont ein Sprecher der bayerischen Wissenschaftsministeriums. Es gehe vielmehr um die Etablierung von „qualitativ hochwertigen und möglichst effizienten" Universitäten. Die Expertenkommission stellte zumindest, gerade in München , einen „erheblichen Optimierungsbedarf“ fest.

Kritiker verweisen allerdings auf die sehr unterschiedlichen Kulturen und Traditionen von LMU und TU und die Probleme einer Fusion. Die FDP warnt auch vor einer „gesichtslosen Massenuniversität“: In Boston käme ja auch niemand auf die Idee, die renommierten Elitehochschulen Harvard und MIT einfach zusammen zu legen.

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