Experten warnen
Ausländerdebatte schreckt die Wirtschaft auf

CSU-Chef Seehofer sendet mit kritischen Äußerungen über muslimische Einwanderer ein falsches Signal, warnen Experten. Denn Deutschland ist auf Hochqualifizierte aus dem Ausland angewiesen. Die Wirtschaft ist alarmiert.
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BERLIN. Die deutsche Wirtschaft warnt angesichts der nicht abreißenden Migrationsdebatte vor einem Imageschaden für Deutschland. „Die Forderung nach einem Zuwanderungsstopp aus bestimmten Kulturkreisen ist das absolut falsche Signal, nach innen wie nach außen“, sagte August-Wilhelm Scheer, Präsident des Internetverbandes Bitkom, als Reaktion auf die jüngsten Äußerungen von CSU-Chef Horst Seehofer. Manche Politiker seien drauf und dran, den Ruf Deutschlands nachhaltig zu schädigen, sagte Scheer und forderte die Politik auf, die seit Monaten tobende Diskussion zu beenden. Deutschland sei ein offenes, innovationsstarkes Land, das kluge, engagierte Menschen einlade, betonte der Verbandspräsident.

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, warb für eine gesteuerte Zuwanderung nach Deutschland und brachte dafür ein Punktesystem wie in Kanada ins Spiel. Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube in der Politik, vor einer Anwerbung ausländischer Experten müsse erst das Potenzial der deutschen Langzeitarbeitslosen abgeschöpft werden: „Fachkräfte für sehr qualifizierte Jobs sind aus dieser Gruppe kaum zu gewinnen“, sagte Weise der „Süddeutschen Zeitung“. Deutschland müsse attraktiv für Hochqualifizierte bleiben. „Warum sollte jemand, der richtig gut qualifiziert ist, ausgerechnet zu uns kommen? Viele Firmen sind im Ausland aktiv und bieten dort auch interessante Jobs an.“

CSU-Chef Seehofer hatte die Debatte zu Wochenbeginn neu angefacht. Im Magazin „Focus“ äußerte er Zweifel am Integrationswillen von Türken und Arabern und sprach sich gegen weitere Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen, vor allem islamischen, aus. Während Bayerns Ministerpräsident mit seinen Äußerungen bei Arbeitsmarktexperten und Unternehmern auf Kritik stieß und die Türkische Gemeinde eine Entschuldigung forderte, sieht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür keinen Grund: „Die Bundeskanzlerin hat sehr ausführlich mit Herrn Seehofer telefoniert, und er hat ihr seine Motivation und seine Betrachtung der Dinge geschildert“, sagte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach in Berlin. „Das war für sie nachvollziehbar.“ Gleichwohl betonte die Kanzlerin, dass Zuwanderer weiter willkommen sind.

Seehofer selbst lehnte die Forderung der Türkischen Gemeinde nach einer Entschuldigung ab: „Ich habe – und das ist meine Pflicht – ganz sachlich Fragestellungen für die Zukunft beschrieben, auch Schwierigkeiten, die wir zu bewältigen haben“, sagte der CSU-Vorsitzende.

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  • den Ruf Deutschlands nachhaltig zu schädigen … kann man nicht mehr. Das haben die Herrschaften wie Stoiber und Merkel schon erledigt. Seehofers und andere legen nur noch nach.

  • Die industrie möge sich derer bedienen, die sie einst in unser Land geholt haben.

    Ansonsten: Return to sender.

  • Merkwürdig dass Deutsche Hochqualifizierte und auch andere Qualifizierte in Deutschland NiCHT ARbEiTEN gehen könne, weil eine Verweigerungsmentalität der Einstellenden vorherrscht.

    Warum wird diese Problematik nicht geklärt?
    Was ist überhauot das Einstellungskriterium für die deutsche bevölkerung?
    Warum werden Deutsche nicht eingestellt in Deutschland?

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