Fachkräfte
Ausländische Abschlüsse sollen besser anerkannt werden

Das Phänomen ist bekannt: Ausländische Ärztinnen putzen deutsche Wohnungen, Ingenieure fahren Taxi. Oft ist das Problem die fehlende Anerkennung ihrer Abschlüsse aus dem Ausland. Nun will die Bundesregierung Migranten dafür einen Rechtsanspruch einräumen. Das Verfahren soll maximal ein halbes Jahr dauern.
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BERLIN. Das ist nach Information des Handelsblatts Kern der Eckpunkte des Bundesbildungsministeriums für ein entsprechendes Gesetz, über das das Kabinett am Mittwoch berät. Mit einer bundesweit einheitlichen und schnellen Anerkennung will der Bund künftigem Fachkräftemangel vorbeugen und zugleich die Anhängigkeit von Migranten von staatlicher Hilfe reduzieren. Schon die Große Koalition hatte sich vorgenommen, das Problem zu lösen – allerdings ohne Erfolg.

Das Potenzial für den Arbeitsmarkt ist enorm: Hundertausende Fachkräfte aus dem Ausland können in Deutschland nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden, weil ihre Berufsabschlüsse aus der Heimat nicht anerkannt sind. Das Bundesarbeitsministerium schätzt, dass mehr als die Hälfte der rund 800 000 Zuwanderer mit einem Hochschulabschluss unterhalb ihres Niveaus beschäftigt sind. Das gilt als ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit unter Migranten, die im Ausland studiert haben: Die Quote liegt bei gut acht Prozent, bei Nicht-Migranten sind es nur vier Prozent.

Daneben haben nach dem jüngsten Mikrozensus weitere 1,8 Millionen Migranten einen sonstigen Berufsabschluss vorzuweisen. „Diese Zahlen deuten die tatsächliche Dimension des Problems allerdings nur an“, sagt die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Krista Sager, die unlängst einen Antrag für ein Bundesgesetz vorgelegt hatte. Denn belastbare Zahlen sind bislang nicht erhoben worden.

Bisher ist die Anerkennung ausländischer Abschlüsse kompliziert und undurchsichtig. Sowohl die Regeln als auch die zuständigen Behörden sind in jedem Bundesland verschieden.

Die Betroffenen teilen sich in drei Klassen: Am besten gestellt sind die Bürger der Europäischen Union. Sie haben ein Recht auf Anerkennung ihrer Abschlüsse – zumindest für von der EU „reglementierte“ Berufe. Fehlen einem EU-Bürger dabei Teile der jeweiligen Qualifikation, hat er sogar einen Anspruch auf eine Anpassungsqualifizierung. Die entsprechende Richtlinie 2005/36 gilt jedoch als in sich widersprüchlich und unnötig kompliziert.

Sonderrechte genießen auch die Spätaussiedler: ihnen sichert das Bundesvertriebenengesetz eine Anerkennung ihrer Abschlüsse zu, wenn diese und die Nachweise dafür den deutschen gleichwertig sind.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich komme aus Russland. Dort habe ich eine staatliche Universität im 2006 absolviert und ich habe das Diplom als Pädagogin für Fremdsprachen (Englisch und Deutsch) bekommen.
    ich möchte gerne wissen, wo kann ich mein Diplom anerkennen lassen, da ich sehr gerne möchte als Lehrerin in Deutschland arbeiten.

    Für ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus

    Mit freundlichen Grüßen

    Victoria Sievert

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