Familien-Studie
Kinderwunsch fällt auf historischen Tiefstand

Ganz Deutschland wünscht sich lautstark Kinder. Nur die potenziellen Eltern spielen da nicht mit. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie „Kinderwünsche in Deutschland“ der Robert-Bosch-Stiftung offenbart Gründe dafür, dass sich die Deutschen seltener Kinder wünschen als je zuvor. Am Geld liegt's jedenfalls nicht.

HB BERLIN. Schon die Ausgangslage ist den Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge niederschmetternd: Deutsche Frauen wünschen sich im statistischen Durchschnitt nur noch 1,75 Kinder, die Männer 1,59 Kinder. Tatsächlich gebäre jede Frau im Schnitt nur noch 1,37 Kinder. Laut Institutsdirektorin Charlotte Höhn bedeutet dies, dass in Deutschland mehr kinderlose Frauen leben als in allen anderen europäischen Ländern, und dass der allgemeine Kinderwunsch einen historischen Tiefstand erreicht habe.

Die Frage, ob ein oder mehrere Kinder ihre Lebensfreude oder Zufriedenheit verbessern würden, beantworteten nur ein Viertel aller Männer und Frauen mit „Ja“. Gute 80 Prozent der Befragten glauben laut der Studie zwar, dass Familiengründung eine Partnerschaft positiv beeinflusse. Dagegen sprachen für sie jedoch die finanziellen Möglichkeiten, die persönliche Freiheit und geringere Beschäftigungschancen. Letztere befürchteten Männer vor allem für ihre Partnerinnen, jedoch nicht für sich selbst.

Männer fürchten miesere Job-Chancen für ihre Partnerinnen

„Männer schrecken vor der Familienbildung zurück“, sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Stiftung. „Insgesamt brauchen wir in Deutschland ein Klima für mehr Kinder. Dazu gehören kommunale Infrastruktur, finanzielle Unterstützung und flexibles Zeitmanagement.“

Institutsdirektorin Höhn erklärte, der demografische Abwärtstrend halte seit 1972 an. Damals habe man geglaubt, der Geburtenrückgang sei ein vorübergehendes Phänomen. Inzwischen verfestige sich aber der Trend, weil die durch den Rückgang nicht geborenen Kinder auch als Eltern ausfallen. Höhn bezweifelte allerdings, dass dieser Trend durch staatliche Maßnahmen wie das Elterngeld umgedreht werden könnte. Geld spiele grundsätzlich eine weniger wichtige Rolle als die Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Laut Höhn muss gezielter für die Werte der Familie geworben werden.

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