Familienpolitik
Hundt und Sommer gegen Betreuungsgeld

In seltener Einigkeit lehnen Gewerkschaftschef Sommer und Arbeitgeber-Präsident Hundt die von der Bundesregierung geplante Maßnahme ab. Im gemeinsamen Schreiben kritisierten sie, die Förderung setze falsche Signale.
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BerlinArbeitgeber und Gewerkschaften machen vereint Front gegen das von der Koalition geplante Betreuungsgeld. In einer gemeinsamen Erklärung unterstrichen Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt und DGB-Chef Michael Sommer am Mittwoch: „Die Einführung eines Betreuungsgeldes für Mütter und Väter, die keinen Betreuungsplatz für ihr ein- bis dreijähriges Kind in Anspruch nehmen, passt nicht in unsere Zeit und ihre Herausforderungen: Es setzt bildungs- und arbeitsmarktpolitisch die falschen Signale.“

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wollte am Mittwochmittag mit kritischen weiblichen Abgeordneten der CDU zusammentreffen, die über die Barauszahlung des Betreuungsgeldes hinaus Vorteile für erziehende Mütter bei der Rente fordern. Dabeisein wollte auch die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt, die auf Barauszahlung des von ihrer Partei initiierten Betreuungsgeldes pocht.

Die gemeinsame Erklärung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist überschrieben mit dem Leitsatz: „Bessere Bildung statt Betreuungsgeld“. In der Bildungsforschung bestehe Konsens, dass die frühe Förderung von Kindern in einer Bildungseinrichtung von fundamentaler Bedeutung für ihre weiteren Bildungsweg sei und damit auch für ihre Berufschancen.

Daher sei an Stelle des Betreuungsgelds der quantitative und qualitative Ausbau der Kindertageseinrichtungen zu Bildungseinrichtungen notwendig. So könnten Kinder früh und systematisch gefördert werden. „Es ist kontraproduktiv, wenn der Staat Eltern subventioniert, die ihre Kinder nicht in öffentliche Bildungseinrichtungen schicken“, heißt es weiter.

„Das Betreuungsgeld widerspricht dem erklärten Ziel der Bundesregierung, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern und den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Es schafft vielmehr einen Anreiz, dem Arbeitsmarkt fernzubleiben. Einkommens- und Karrierechancen verschlechtern sich erheblich, wenn Eltern über längere Zeit nicht erwerbstätig sind. Das kann nicht der politische Wille der Bundesregierung sein“, heißt es abschließend in der Erklärung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das ist ja wohl die HÖhe- sind Frauen Menschen oder Maschinen? Und die Kinder und deren Bedürfnisse? Alles zählt nicht außer - wir wollen, wir brauchen, Frauen sollen..
    Wo bleibt denn die Eigenbestimmtung, was für mich als Frau gut ist, was ICH will und für richtig finde?
    Und, wollen die Kinder Bildung - oder brauchen sie nicht erst Bindung, Heimat, Liebe, Fürsorge,Beziehung??
    Wollen wir später Maschinen, Roboter, die fleißig sind oder Menschen, die ihr Leben lieben, meistern?
    Ist Bildung alles? Und woher wissen die Herren so genau, wie im Kindergarten gebildet wird mit 10 Kleinkindern und 1 1/2 ERzieherinnen, die nur am Rennen sind? So sieht es doch aus? Schauen Sie doch mal ne Mutter an mit Zwillingen: Und Erzieherinnen haben noch mehr Kids zu versorgen- und sind nicht die Mutter, die aus Liebe zu ihren Kindern vieles macht!!
    Was ist so schlecht, wenn Mütter daheim bleiben bei ihrem Kind? Warumdarf sie das nicht selbst entscheiden? Mit einem Gehalt leben ist sehr schwierig, und das Betreuungsgeld würde etwas helfen- und anerkennen,
    Wir haben doch nciht nur soziale Unterschicht, sondern viele engagierte Eltern ganz normale Eltern, die ihre Kinder lieben und ihnen das BEste geben wollen - und dafür sogar zurückstecken- und nicht sich am Betreuungsgeld bereichern. Alleine dies Aussage ist eine Beleidigung für diese Eltern!
    Wer von diesen Politikern hat Familie und Kinder, um da mitsprechen zu können?
    Wer hat wirklich Kontakt mit dem "Volk", den "normalen Familien"?
    Karriere ist nicht alles im Leben, sondern Menschen, Beziehung!!!
    Ich habe drei Kinder und für diese sogar meinen Beruf und Beamtin aufgegeben- um sie selbst aufzuziehen- und es war die richtige entscheidung: Und, ich bin voll wieder im BEruf gelandet-trotz langer Auszeit! Aber wann ich wollte, und nicht, wann mir befohlen wird!
    christa keip

  • Gerade Frankreich ist ein ungeeignetes Beispiel, kaum eine Mutter geht dort wieder vollberufstätig arbeiten, wenn Kinder im Krippenalter, also U3, zu versorgen sind, und selbst Kinder im Kindergartenalter werden in der Regel allenfalls stundenweise fremdbetreut. Dafür sind Eltern mit 3 und mehr Kindern steuerlich erheblich besser gestellt als in Deutschland, sicher auch ein Grund für die deutlich höhere Geburtenrate.

  • Dass der Arbeitgeberverband Interesse an mehr Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt hat, erscheint zumindest kurzfristig gut erklärlich, ermöglicht ein großes Angebot doch in einer Marktwirtschaft, die Preise, in diesem Fall den Lohn zu drücken. Dass da schnell mal eine Studie finanziert wird, die angebliche Vorteile sog. frühkindlicher Bildung zu beweisen, die am besten noch vor der Geburt beginnt, ist nicht verwunderlich. Was allerdings Herrn Sommer geritten hat, die Rolle des nützlichen Idioten in diesem Spiel zu übernehmen, wird sicher sein Geheimnis bleiben.

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