Familienpolitik
Zu viel Geld für wenige Kinder

Die Deutschen bekommen immer weniger Nachwuchs. Gleichzeitig gibt der Bund aber immer mehr Geld für die Familienpolitik aus. Wirtschaftsverbände kritisieren diese „in jeder Hinsicht kontraproduktive Geldleistung“.
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BerlinDie Familienpolitik ist ein großes Rätsel - groß in jeder Hinsicht. Eine Übersicht des zuständigen Ministeriums listet auf zehn eng bedruckten Seiten insgesamt 152 Leistungen auf: vom Kindergeld über Mehrbedarfszuschläge für arbeitslose Alleinerziehende bis zur Schwangerenberatung. Das alles lässt sich der Staat jährlich 195,2 Milliarden Euro kosten.

Diese Zahl stammt allerdings von 2009 - neuere Daten gibt es wegen der schwer erfassbaren Vielfalt noch nicht. Gesichert ist aber: Allein seit 2006 hat sich die Summe um 14,4 Milliarden Euro erhöht. Und alles spricht dafür, dass der Trend weiter nach oben weist. Schon deshalb, weil 2013 das umstrittene Betreuungsgeld mit künftig bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr starten soll.

Ein anderer Trend weist dagegen verblüffend klar nach unten: der Trend der Geburten in Deutschland. Nach den vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts wurden hierzulande im vergangenen Jahr 662 712 Kinder neu geboren. Das sind 2,2 Prozent weniger als 2010 und so wenige wie noch nie. Zwar drückt der demografische Wandel auf den Geburtentrend. Auch soll Familienpolitik nicht allein die Bevölkerungszahl hochtreiben. Doch dass Ausgaben und Geburten so auseinanderlaufen, liefert in Zeiten, in denen die Wirtschaft vor wachsendem Fachkräftemangel warnt, neuen politischen Zündstoff.

Deutschland

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Es sei „offensichtlich, dass die milliardenschwere Familienförderung nicht dazu führt, dass mehr Kinder geboren werden“, moniert der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer. „Daher sollten alle familienpolitischen Maßnahmen mittelfristig auf den Prüfstand.“ Es gehe darum, Parallelförderungen „zu straffen oder zu bereinigen“. Noch deutlicher zeigt CDU-Wirtschaftsexperte Andreas Lämmel seine Distanz zum CSU-Projekt Betreuungsgeld: Vor der Einführung neuer familienpolitischer Leistungen sollte geprüft werden, ob die bestehenden Ausgaben „einen Anreiz zur Familiengründung darstellen oder wirkungslos verpuffen, aber die öffentlichen Haushalte belasten“.

Dass Deutschland beim Geld für den Nachwuchs nicht knausert, belegt auch die Industrieländerorganisation OECD: Ein durchschnittliches Kind erhält vom Staat bis zum 18. Lebensjahr 146 000 Euro Unterstützung - 18 Prozent mehr als im OECD-Schnitt. Noch weiter liegt Deutschland vorn, misst man den Anteil der speziell an Eltern gerichteten Leistungen am Bruttoinlandsprodukt - dann hat es mehr als 30 Prozent Vorsprung. Doch auffallend knauserig ist Deutschland in genau einem Punkt: Es gibt im Vergleich weit weniger Geld für Schulen, Kindergärten und Krippen aus.

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„Familienpolitik verfehlt Ziele“

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  • "Das alles lässt sich der Staat jährlich 195,2 Milliarden Euro kosten."
    Ja,der Staat ist ja auch saudämlich. Erst raubt er den Familien die Zeit, dann läßt er die Sorgen durch die Tür hinein, wundert sich,daß die Liebe aus dem Fenster fliegt und bezahlt dann noch den "Glaser". Die Kinder,falls vorhanden, knallen durch, kommen in die Psychiatrie und dienen dort der Pharmaindustrie als Laborratten. Am "humanen Mengele" kann man sich krumm und blöd verdienen!
    Die Alternative zum Nulltarif:

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/166/2/

  • Fiananzielle Leistungen haben nur einen sehr geringen Einfluss auf die Geburtenrate. Die Länder, die Kinderbetreuung finanziell fördern haben hingegen auch deutlich höhere Geburtenraten, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wiegard http://www.atkearney361grad.de/2012/07/17/finanzielle-forderung-von-familien-3/

  • korrekt

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