„Familienurlaub mit Vollpension“
Junge Unternehmer feiern Schröders Elterngeld-Stopp

Schlechte Nachrichten für werdende Familien: Ministerin Köhler kassiert die geplante Ausweitung des Elterngelds. Die Wirtschaftsjunioren sind erfreut, dass nun kein "Familienurlaub mit Vollpension" gewährt wird.
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Berlin

Die Wirtschaftsjunioren Deutschland begrüßen die Entscheidung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), eine Ausweitung des Elterngelds von der politischen Tagesordnung zu verbannen. "Als Vertreter der jungen Generation sind wir große Anhänger des Elterngelds", sagte Tobias Schuhmacher, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland. "Das Elterngeld darf aber kein verlängerter Familienurlaub mit Vollpension werden" Im Vordergrund müsse immer das Ziel stehen, Anreize für eine Berufstätigkeit zu setzen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das sei bei einer weiteren Ausweitung des Elterngelds nicht mehr gegeben.

"Wichtiger als mehr Elterngeld ist deshalb, alle Anstrengungen in den Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten zu stecken und diese für alle bezahlbar zu machen", sagte Schuhmacher. Es könne nicht sein, dass sich für Familien mit niedrigem Einkommen eine Berufstätigkeit nicht lohne, weil das Einkommen größtenteils in die Kinderbetreuung fließe. "Um im Job den Anschluss nicht zu verlieren, muss es außerdem attraktiver werden, während des Bezugs von Elterngeld zu arbeiten", sagt der Verbandsvorsitzende. Die Wirtschaftsjunioren Deutschland fordern deshalb, dass das Elterngeld bis zur Höhe des bisherigen Nettogehalts aufgestockt werden kann, ohne dass das hinzuverdiente Einkommen auf das Elterngeld angerechnet wird. "So wird ein Anreiz gesetzt, zumindest einen Fuß in der Tür des Unternehmens zu lassen", sagte Schuhmacher.

Die Wirtschaftsjunioren sind mit rund 10.000 aktiven Mitgliedern aus allen Bereichen der Wirtschaft der größte Verband junger Unternehmer und Führungskräfte in Deutschland. Die Mitglieder sind zwischen 18 und 40 Jahre alt.

Schröders Sprecher hatte zuvor einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigt, dass entgegen den Ankündigungen im Koalitionsvertrag "eine Weiterentwicklung des Elterngeldes im Moment aus finanziellen Gründen nicht darstellbar" sei.

Bisher können Eltern nach der Geburt eines Kindes maximal 14 Monate Elterngeld bekommen. Zwölf Monate sind für den einen Partner vorgesehen; zwei weitere Monate finanziert der Staat nur, wenn der andere Partner - meist der Vater - ebenfalls Elterngeld beantragt.

Diese Vätermonate sollten laut Koalitionsvertrag ausgeweitet werden. Unionsabgeordnete hatten 2009 dafür plädiert, dass aus zwei Vätermonaten vier werden sollten. Der Anspruch der Mütter wäre damit gleich geblieben; Väter hätten ihre Babypause verlängern können. Das hätte jedoch die Kosten des Elterngeldes - derzeit etwa vier Milliarden Euro jährlich - erhöht, weshalb das Familienministerium dem Blatt zufolge diesen Plan nun nicht mehr verfolgt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Das nächste Ungemach rast schon auf Merkel zu:
    Plötzlich unsichere AKWs in Deutschland
    Klagen der Atombosse zum Moratorium
    Mangelnde Finanzierbarkeit des Atomausstiegs

    Knapp einen Monat nach einer möglichen partiellen Kernschmelze in Fukushima, rudern die ersten CDU/CSUler zum Ausstieg aus dem Austieg der Stromerzeugung aus Atomenergie zurück. Angeblich die Finanzierbarkeit. War es zuerst die Angst auf Unterversorgung und Stromunterbrechungen, die geschürt wurde und am Wähler verpufft ist, wird jetzt mit dem ewigen Thema Finanzierbarkeit versucht beim Wähler einen Treffer zu landen. Jede Hausfrau im schwäbischen Ländle beherrscht Ihre Finanzen und versteht es geschickt zu planen. Ausgerechnet der Vollprofi Schäuble soll dazu nicht in der Lage sein.
    Es ist doch ganz offensichtlich, dass hier mal wieder Wählerstimmen abgefischt werden sollten.
    Wer bitte ist so dumm, dass er da tatsächlich noch darauf reinfällt?
    Was wird uns als nächster von dieser Regierung zugemutet, was mal wieder nicht bis zum Ende durchdacht war, weil es keine Wählerstimmen bringt!?

  • Endlich ist auch das Elterngeld weg.
    Schließlich haben wir keine alternde Gesellschaft, und Kinder gibt es in Deutschland viel zu viel - im gegensatz zum rest Europas.
    Somit brauchen wir uns keine Gedanken um die rente machen.

    Schöne besonders für die armen Jungunternehmer. Sie müssen nicht um ihre kläglichen Millioneneinkommen fürchten.

    Die regierung steht eben zu ihren armen Reichen.

    Hoffentlich vergessen die Menschen diese Wohltaten zur nächsten Wahl nicht, dann ist auch die jetzige schwarz-geld Regierung weg.

  • Eigentlich eine gute Idee, das Elterngeld für Väter zu verlängern. Es ist mitlerweile durch das Elterngeld akzeptiert, dass auch Männer sich von Beginn an der Erziehung Ihrer Kinder beteiligen. Ich weiß auß eigener Erfahrung, wie wertvoll das ist, da ich die 2 Monate gerade hinter mir habe.

    Deshalb finde ich die Idee, die im Koalitionsvertrag festgehalten wurde, sehr gut, auch wenn ich selbst vielleicht nicht mehr davon profitieren werde.

    Das Problem der Industrie ist: Sie möchten billige, guta ausgebildete Arbeitskräfte und kaufkräftige Konsumenten.

    Leider sind sie aber nicht bereit, diese auch von Ihren Eltern erziehen zu lassen. Nicht alle Eltern möchten Ihr Kind mit 14 Monaten in einer Krippe abgeben, selbst wenn sie finanzierbar wäre. Und das nennen die ach so tollen dynamischen Jungunternehmer dann "Anreize zum Wiedereinstieg schaffen". Gleichzeitig verbauen sie diese Anreize, in dem Sie beispielsweise einer Teilzeit in Elternzeit sehr kritisch gegenüberstehen.
    Es geht also nicht um Anreize zum Wiedereinstieg im Sinne der Eltern, sondern um den Zwang zum Volleinstieg ohne jegliche Flexibilisierung, die ein Kind nun mal in der Regel mit sich bringt.

    Schade, Ihr kinderfeindlichen Jungunternehmer. Vielleicht hat der neue Vorsitzende der FDP ja verstanden, dass Ihr mit eurer neokapitalistischen Einstellung alleine da steht. Seine Stammwähler haben es offensichtlich nicht verinnerlicht.

    Gute Bilanzen wünsche ich!

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