FDP-Bashing
Brüderle schlägt zurück

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wehrt sich: In der Politik gebe es wie im Sport Sieger und Verlierer. Der Spott und die Häme, die jetzt über Partei und Abgeordnete hereingebrochen ist, widerspreche jedem Sportsgeist.
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BerlinFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat zu einem fairen Umgang mit den liberalen Abgeordneten und deren Mitarbeitern aufgerufen: „Politik ist immer Wettbewerb, es gibt wie im Sport Sieger und Verlierer. Aber so nachzutreten, das widerspricht einfach jedem Sportsgeist“, sagte Brüderle dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Die FDP spreche manchmal eher die Vernunft als das Herz an. Aber deswegen die demokratischen Spielregeln zu ignorieren sei nicht in Ordnung. „Was mich besonders betroffen gemacht hat, dass die Häme auch an den Mitarbeitern ausgelassen wurde“, sagte Brüderle.

Seit der Bundestagswahl werden die Abgeordneten der FDP und ihre Mitarbeiter nicht nur in der Anonymität sozialer Netzwerke mit Häme und Spott überzogen. „Von manchen Kommentaren war ich unangenehm berührt“, sagte der Ex-Spitzenkandidat der FDP im Wahlkampf. Über seinen Gefühlszustand nach dem Rauswurf der FDP am Wahlabend sagte er: „Ich war tief enttäuscht, diese Gefühl hält bis heute an. Nach 40 Jahren in der FDP-Familie wird mich das noch lange beschäftigen“. Dass die FDP nicht mehr in die Regierung kommen würde, damit habe man rechnen müssen. „Ein Rauswurf aus dem Bundestag, das war für mich und für viele andere nicht vorstellbar“, sagte Brüderle.

Brüderle räumte eigene Fehler im Wahlkampf ein: „Sehen Sie mal, wir können jetzt auch noch viel über die Zweistimmenkampagne oder über die thematische Verengung der Partei auf Steuersenkungen oder den parteiintern umstrittenen Eurorettungskurs reden. Da gab es sicherlich Fehler, die auch der Parteivorsitzende und ich zu verantworten haben“, sagte er. Aber das bringe der neuen Parteiführung um Christan Lindner wenig. Beim Autofahren sei es auch wichtig, dass man nach vorne schaue und nicht dauernd in den Rückspiegel.

Den nordrhein-westfälischen Landeschef Christian Lindner bezeichnete Brüderle als den richtigen Mann für das Amt des neuen Parteichefs. „Er schlägt mit Nicola Beer eine fähige Generalsekretärin vor. Die beiden stehen für einen Aufbruch in der Partei. Der Kampf der FDP geht jetzt erst los“, sagte Brüderle. Nach seiner Meinung hat der Liberalismus in den nächsten vier Jahren im Bundestag keine Heimat. „Die Große Koalition wird sich wieder einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, das werden die Bürger und die Wirtschaft im Geldbeutel noch spüren“, sagte Brüderle. Seine eigene berufliche Zukunft ließ er offen: „Ich nehme jetzt erst mal meine Reha-Maßnahmen für meinen Hand- und Oberschenkelbruch wieder auf. Alles andere wird sich finden.“

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " FDP-Bashing: Brüderle schlägt zurück"

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  • Wenn sich eine liberale Partei dem linken Zeitgeist anbiedert, so schaufelt sie nun mal ihr eigenes Grab. Ich bin aus dieser FDP ausgetreten und habe AfD gewählt. Die Schuldigen am Niedergang der FDP heißen Rösler und Genscher. Mutti hat am Ende nur die Reste zusammen gekehrt und vor die Tür gekippt, übrigens ganz ohne Häme.

  • Lächerlich ist gerade Brüderle, Rössler, Westerwelle und Konsorten mit Warmherzigkeit zu begegnen.
    Denn wie man in den Wald hineingerufen hat ("spätrömische Dekadenz", "Anschlußverwendung", etc.) so schalt es zurück.
    Diesem Verein trauere nicht nur ich keine Träne nach. Ganz im Gegenteil: Sollen sie doch für ewig in der Versenkung verschwinden und der verbliebenen `Altlast` Lindner sollte man erst recht genauestens auf`s Maul schauen, bevor sich erneut ein abstoßender Lobbyclub in der Parteienpolitik einnistet.

  • Ich bin auch kein Freund der gängigen Hetzjagden: ob KTG, Wulff, dieser Bischof oder auch Brüderle bezogen auf diese seltsame Stern-Mitarbeiterin: unappetitlich und überzogen, oft genug vorverurteilend, ohne wirklich zu wissen, worums geht.

    ABER: ausgerechnet die FDP als Partei, die angesichts der Schleckerpleite von Anschlussverwendeung faselt und sich bisher angestellt hat, als wäre jedes menschliche Unglück auch verdient. Diese FDP muss es wirklich abkönnen, wenn man deren eigene Härte auch auf sie selbst anwendet.

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