Finanzminister Varoufakis
„Merkel-Plan“ soll Griechenland retten

Griechenland setzt in der Debatte um seine Staatsschulden auf die Hilfe der Bundesregierung. Der Finanzminister des Mittelmeerlandes hat schon sehr konkrete Vorstellungen, wie Kanzlerin Merkel helfen könnte.
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BerlinGriechenland geht auf der Suche nach einer Lösung im Schuldendrama in die Offensive. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis wandte sich jetzt erstmals in einem Interview an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Ich stelle mir einen Merkel-Plan vor, nach dem Vorbild des Marshall-Plans. Deutschland würde seine Kraft nutzen, um Europa zu vereinigen“, sagte Varoufakis zu  „Zeit Online“. „Das wäre ein wundervolles Vermächtnis der deutschen Bundeskanzlerin.“

Varoufakis begründete seinen Vorstoß mit dem Hinweis, dass Deutschland das mächtigste Land Europas sei. „Ich glaube, dass die EU davon profitieren würde, wenn Deutschland sich als Hegemon verstünde. Aber ein Hegemon muss Verantwortung übernehmen für andere“, sagte er. „Das war der Ansatz der USA nach dem Zweiten Weltkrieg.“

Der Chefhaushälter der Unions-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle (CDU), wies die Forderung des Finanzministers scharf zurück. „Es ist wenig sinnvoll, auf die sich nahezu stündlich ändernden Forderungen aus Griechenland einzugehen“, sagte Barthle dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Wir erwarten von der neuen Regierung, dass sie ihrer Verantwortung gerecht wird und ein Konzept vorlegt, wie das Land wieder auf eigenen Beinen stehen kann, ohne ständig am Tropf anderer zu hängen.“

Die Forderung nach einem Rettungsplan für Griechenland nach dem Vorbild des Marshall-Plans ist nicht neu. Zuletzt hatte auch Thüringens Ministerpräsident und Linken-Spitzenpolitiker Bodo Ramelow „eine Art Marshall-Plan“ für europäische EU-Krisenstaaten gefordert. „Das wäre ein Signal der Menschlichkeit in Europa“, sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei eine „enorme Geldsumme“ aus den Hilfen des Marshall-Plans direkt in die Wirtschaft geflossen und habe das deutsche Wirtschaftswunder angeschoben. „Nichts anderes ist nun wichtig für Griechenland“, sagte Ramelow. Vor Ramelow hatten sich auch Politiker von SPD (Peer Steinbrück) und Grünen (Renate Künast) in diese Richtung geäußert.

Tatsächlich verdankt Deutschland seine späteren Erfolge dem von dem amerikanischen Politiker George C. Marshall 1953 ersonnenen Schuldenerlass. Vorausgegangen war ein monatelanger Verhandlungsmarathon mit den internationalen Gläubigern. Als der legendäre Deutsche-Bank-Chef Hermann Josef Abs damals die deutsche Zahlungsfähigkeit auf 125 Millionen Dollar pro Jahr bezifferte, gab es Tumulte im Saal. Deutschlands Verpflichtungen waren viermal so hoch. Am Ende handelte Abs die Gläubiger von 29,3 Milliarden D-Mark auf 14,5 Milliarden herunter. Der Bankier überzeugte sie, dass ein bankrottes Deutschland gefährlicher war als ein prosperierendes.

Dieselbe Milde erhofft sich Varoufakis nun auch von Deutschland. Ein nüchterner Blick auf die griechischen Haushaltszahlen erklärt, warum der Finanzminister sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als Merkel direkt anzusprechen. Griechenlands Staatsschulden beliefen sich am Ende des dritten Quartals 2014 auf 315,5 Milliarden Euro. Der größte Teil der Schulden, nämlich 141,8 Milliarden, liegt beim Euro-Rettungsfonds EFSF, darüber hinaus haben die Euro-Staaten Griechenland auch bilaterale Kredite gewährt.

Weitere Gläubiger sind der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken. Deutschland ist an den Rettungskrediten mit 60 Milliarden Euro beteiligt und damit der größte Einzelgläubiger vor Frankreich mit 46 Milliarden und Italien mit 40 Milliarden Euro.

Kommentare zu " Finanzminister Varoufakis: „Merkel-Plan“ soll Griechenland retten"

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  • .....ein Marshall-Plan, bzw. ein Merkel-Plan wie Yanis Varoufakis ihn ins Gespräch bringt ist aus meiner Sicht eine großartige Idee.

  • Finanzpolitik nach dem Austeritätsprinzip führt zwangslaufig in eine Sackgasse.
    Soll sich Griechenland etwa "Totsparen".
    Eine restriktive Fiskalpolitik wie sie Deutschland mit erhobenem Zeigefinger von den Griechen fordert, fördert eine politische Instabilität mit unabsehbaren Folgen.

  • Ramelow muß es ja wissen. Es war ja schließlich seine Vorgängerpartei die die Menschen in der DDR unterdrückt und das Land ruiniert hat.

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