Finanzpolitiker im Rettungsmodus
Euro-Krise lösen oder wieder Kartoffeln anpflanzen?

Europa kämpft noch immer mit der Krise. Ein Ende ist nicht absehbar. Oder etwa doch? Auf einem Podium in Berlin mühten sich Finanzexperten der Parteien, Antworten zu geben. Klarheit in die Debatte brachten aber andere.
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BerlinGünther Oettinger hat sich jüngst viel Ärger eingehandelt, als er völlig unverblümt Europa einen Sanierungsfall nannte. Es war vor allem die Drastik seiner Zustandsbeschreibung, die aufhorchen ließ, zumal nur wenige Tage zuvor EU-Kommissionschef José Manuel Barroso eine ganze andere Botschaft verkündete: „Die existenzielle Krise des Euro ist vorbei“, sagte der Portugiese auf dem „WDR Europaforum“. Und der frühere Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker sekundierte: „Wir sind noch nicht über den Berg, aber die Existenz des Euro wird inzwischen nicht mehr in Frage gestellt.“

Die Einschätzungen von Barroso und Juncker klingen auf sonderbare Weise wie Erzählungen aus einer heilen Welt. Denn de facto ist die Euro-Krise weder überwunden, noch ist es so, dass die gemeinsame Währung nicht infrage gestellt würde. Es gibt sogar eine Partei, die Alternative für Deutschland (AfD), die sich zum Ziel gesetzt hat, die gemeinsame Währung in ihren Grundfesten zu erschüttern. Und das noch an der Bewältigung der Krise herumgedoktert wird, kann man schon daran ersehen, dass sich nun auch Deutschland und Frankreich dem Thema angenommen und jüngst in Paris konkrete Schritte zur Fortentwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion vorgelegt haben.

Wo stehen wir in dieser Krisenzeit also? Haben uns die Länder- und Bankenrettungsaktionen der vergangenen Jahre weiter gebracht oder sind die Rettungspolitiker in Wahrheit mit ihrem Latein schon längst am Ende und können im Grunde nur den dauerhaften Euro-Mangel verwalten? Liegt also Oettinger mit seiner harten Europa-Schelte näher an der Wahrheit als die Polit-Hochkaräter Barroso und Juncker?

Bei einer Veranstaltung in den Räumen der staatlichen KfW-Bank mit dem Titel „Eurokrise und kein Ende“ am Montagabend in Berlin hatte die Politik Gelegenheit, diese und andere Fragen zu beantworten. Kein einfaches Unterfangen. In Wahlkampfzeiten versprechen Politiker gerne das Blaue vom Himmel. In diesem Fall durften immerhin die Experten der Bundestagsfraktionen ran und sich den Fragen von Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock stellen: Klaus-Peter Flosbach für die CDU/CSU, Gerhard Schick für die Grünen, Axel Troost für die Linke, Volker Wissing für die FDP und Manfred Zöllmer für die SPD

Angereichert wurde die Debatte mit Fragen aus dem Publikum. Leser von Handelsblatt Online hatten im Vorfeld der Veranstaltung zudem Gelegenheit, via Mail zu formulieren, wo ihnen der Schuh drückt. Die Resonanz war überwältigend. Rund 600 Fragen gingen bei Oliver Stock ein. Und fast allen Mails war eines gemein: Die interessierte Leserschaft scheint näher am Puls der Krise, als vielleicht viele Politiker meinen.

Kommentare zu " Finanzpolitiker im Rettungsmodus: Euro-Krise lösen oder wieder Kartoffeln anpflanzen?"

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  • Warum wir "Exportweltmeister" sind!?
    .. weil wir unsere exportierte Ware selbst bezahlen!

  • Die verantwortlichen Politiker begehen Untreue am Deutschen Volk. Der Bruch europ. Verträge (bail out Verbot etc.) muss eine Strafverfolgung nach sich ziehen !

  • Die AfD fordert mehr Demokratie für Europa - legt jedoch im Landesverband Bayern ein fragwürdiges Demokratieverständnis an den Tag. Wir sind Mitglieder - erleben das Drama unmittelbar mit:
    [...]
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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