Fischer bekennt sich zu seiner Vergangenheit
Ex-Außenminister lässt Freund nicht hängen

Der angebliche Polit-Schläger Scheffler kam in schwarzer Lederjacke, sein wichtigster Zeuge Joschka Fischer in Mantel und feinem Anzug. Doch abgesehen von den Äußerlichkeiten gab es am Dienstag vor dem Frankfurter Landgericht nicht die geringsten Differenzen zwischen dem grünen Ex-Außenminister und seinem alten Freund Ralf Scheffler. Der Betreiber des Frankfurter Musikclubs „Batschkapp“ will in einem Zivilprozess dem „Focus“ die Behauptung verbieten lassen, er habe in der linksradikalen Frankfurter „Putzgruppe“ als „passionierter Schläger“ gegolten.

HB DÜSSELDORF. Der „Focus“ hatte eine entsprechende Passage unter ein Foto geschrieben, das Fischer, Scheffler und andere politische Wegbegleiter im Jahr 2002 bei der Beerdigung des Frankfurter Kabarettisten Matthias Beltz zeigt. Scheffler verlangt als Kläger 15000 Euro Schmerzensgeld und die Unterlassung der Behauptung. Er könne sich nicht an Tatsachen erinnern, die einen derartigen Ruf Schefflers gerechtfertigt hätten, sagte Fischer. Den heutigen Inhaber des bekannten Frankfurter Musiklokals „Batschkapp“ nannte er „einen meiner besten Freunde bis zum heutigen Tag“.

Vom „Focus“ als Zeuge geladen, zeigte sich der 57-Jährige „Bundesminister a.D.“ bewusst gelassen, aber doch vorsichtig in seinen Aussagen. Er wolle nur berichten, an was er sich wirklich erinnern könne, wiederholte Fischer mehrmals. Scheffler sei bis heute einer seiner besten Freunde. „Dass wir viel zusammen waren und für die selben Ziele gestanden haben, ist fast schon eine Binsenweisheit“, sagte Fischer. Doch aus seinen eigenen Bekenntnissen und „Selbstabrechnungen“ auf das Verhalten Schefflers zu schließen, hält Fischer für unzulässig. Er könne sich an keinerlei Tatsachen erinnern, die einen Schlägerruf Schefflers irgendwie rechtfertigen würden. Nicht eine einzige Schlägerei seines Freundes sei ihm im Gedächtnis: „Ich müsste mich dran erinnern können, und ich tue es nicht.“ Auf eine Diskussion des Begriffes Putzgruppe wollte sich Fischer nicht einlassen

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Auf seine eigene Rolle in der so genannten Putzgruppe, die in den 70er Jahren in Frankfurt Straßenschlachten mit der Polizei austrug, ging Fischer in seiner 50 Minuten langen Aussage nur am Rande ein. Er stimmte einer eigenen, fünf Jahre alten Interviewäußerung zu, die ihm der Vorsitzende Richter vorhielt. Danach hatte er die Putzgruppe als den letztlich untauglichen Versuch bezeichnet, besetzte Häuser gegen die anrückende Polizei zu verteidigen. Fischer hatte sich bereits in einem Prozess im Januar 2001 gegen seinen Freund Hans-Joachim Klein zu seiner Rolle in der linksradikalen Gruppe „Revolutionärer Kampf“ ausführlich geäußert und eingeräumt, sich mit Polizisten geschlagen zu haben. Eine unbedachte Äußerung über seine Bekanntschaft mit der RAF-Terroristin Margrit Schiller hatte ihm damals eine Anzeige wegen Falschaussage eingebracht, die allerdings im Sande verlief. Dies habe ihm vor Augen geführt, wie lückenhaft die Erinnerung an die damalige Zeit sein könne, meinte der locker auftretende Grüne.

Der „Focus“ will nach Angaben seines Anwaltes Robert Schweizer weiterhin nicht klein beigeben. Als nächster Zeuge soll am 11. Mai der Buchautor Christian Schmidt gehört werden, der Fischer in der Biografie „Wir sind die Wahnsinnigen“ scharf angegriffen hat. Über den Kläger Scheffler heißt es dort, er sei der „härteste Kämpfer“ und allerbeste Kumpel Fischers gewesen.

Die so genannte Putzgruppe in Frankfurt/Main lieferte sich in den 70er Jahren Straßenschlachten mit der Polizei und verteidigte besetzte Häuser. „Putz“ steht für Randale, gilt aber auch als Abkürzung für die „Proletarische Union für Terror und Zerstörung“. Zur Gruppe sollen damals Joschka Fischer, der frühere Chef des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, Georg Dick, und der heutige Leiter der Afghanistan-Mission der Vereinten Nationen, Tom Koenigs, gehört haben. Die etwa zwei Dutzend Mitglieder trainierten in den Taunus-Wäldern den Nahkampf. Erstmals traten die Militanten im Herbst 1971 mit Knüppeln und Helmen gegen die Polizei an. Die Gruppe verletzte im März 1973 mehrere Polizisten bei einem Räumungseinsatz. Im Mai 1976 verübte sie einen Brandanschlag auf das Konsulat des verhassten Franco-Spaniens. Außerdem soll ein Mitglied einen Molotowcocktail auf einen Streifenwagen geworfen und einen Polizisten lebensgefährlich verletzt haben. Unter den Verdächtigen war auch Joschka Fischer, der die Tat bis heute abstreitet.

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