Fitschen vs. Schick
„Aktionäre müssen bluten“

Bei ihrer Image-Offensive geht die Deutsche Bank ungewöhnliche Wege: In Berlin stellt sich Co-Chef Fitschen einer Diskussion mit dem Grünen-Politiker Schick. Der Top-Banker überrascht dabei mit viel Selbstkritik.
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BerlinDas Klima für Banken ist rau geworden. Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise verschärfen Politik und Aufseher die Gangart, das Ansehen der Institute in der Bevölkerung ist gering. Nur gut ein Viertel der Deutschen vertraut der Branche noch laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Allensbach. Mit jedem Skandal schwindet das vielleicht wichtigste Kapital der Finanzwelt ein bisschen mehr. Dabei wollen die Institute dringend wieder Ansehen zurückgewinnen. Vielleicht hilft es, sich in der Öffentlichkeit kritischen Fragen zu stellen. Die Deutsche Bank geht diesen Weg.

In dieser Woche versuchen die beiden Chefs von Deutschlands größter Privatbank, ihr angeschlagenes Ansehen in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Sie tun das nicht irgendwo. Sie gehen dorthin, wo ihnen in den vergangenen Wochen die meiste Kritik entgegenschlug – ins politische Berlin.

Als erstes betritt Jürgen Fitschen die Bühne des Deutschen Theaters und führt ein Gespräch mit dem finanzpolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick. Da gibt es viel zu bereden. Anlass ist die Vorstellung von Schicks neuem Buch „Machtwirtschaft - nein Danke! Für eine Wirtschaft, die uns allen dient.“ Eine Wirtschaft, in der es nur um Macht und Geld gehe, „wird den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht“, lieferte schon im Vorfeld der Verlag auf der Einladung eine Steilvorlage. Tags darauf hält Anshu Jain, der zweite Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, unweit des Brandenburger Tores in den Räumen der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft ein Grußwort bei der Vorstellung des Buchs „Klare Worte“ von Altkanzler Gerhard Schröder.

Fitschen auf einem Podium mit einem Grünen-Politiker, der dem linken Flügel seiner Partei zugerechnet wird, ist ein ungewohntes Bild, zumal der Co-Chef der Deutschen Bank normalerweise den Austausch mit der ersten Reihe der Politik pflegt. Doch dieses Verhältnis hat in den letzten Wochen schwer gelitten, seit Fitschen sich vor einigen Wochen recht dünnhäutig mit Finanzminister Wolfgang Schäuble angelegt hat.

Ausgelöst worden war der heftige Disput durch ein Interview Schäubles im Handelsblatt. Der Minister hatte sich darin gegen eine Regulierungspause für Banken ausgesprochen und dies damit begründet, dass die Kreativität der Institute, die Regulierung zu umgehen, weiter groß sei. Fitschen, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist, wies dies zurück. Es könne nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, die Banken umgingen immer noch die Regeln. Daraufhin wies Schäuble wies Schäuble den Bankchef mit den Worten zurecht, wenn sich Herr Fitschen seine Aussagen noch mal genauer anschaue, werde er sicher zur Erkenntnis kommen, dass er in der Sache nicht Recht habe. „Und im Ton hat er sich ganz sicher vergriffen.“

In der Diskussion mit Schick spielt der Zwist nur am Rande eine Rolle. Ob er glaube, dass er nach dem „Fernduell“ mit Schäuble noch Freunde im politischen Berlin habe, wird Fitschen gefragt. „Absolut“, entgegnet er selbstbewusst. Im Übrigen habe er „kein Duell“ mit Schäuble gehabt. Er wolle das heute auch nicht vertiefen. Was war, sei ausgetragen, sagt der Topbanker vor rund 80 Zuhörern.

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