Flüchtlinge
Mit dem Rad auf der Flucht

Bis zu 1000 Flüchtlinge kommen jede Woche über den Grenzübergang Storskog an der norwegisch-russischen Grenze. Dabei kommen etliche mit dem Fahrrad – aus einfachen wie absurden Gründen.

KirkenesDas Thermometer in Storskog zeigt minus vier Grad. Das ist warm für diese Jahreszeit in der nördlichsten Gegend Norwegens, mehr als 600 Kilometer oberhalb des Polarkreises. Doch für die Menschen, die an diesem Tag schwer bepackt mit einem Fahrrad die Grenze von Russland nach Norwegen überqueren, ist es zu kalt. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak und sind solche Temperaturen nicht gewohnt.

Storskog, das nördlichste Tor in den Schengen-Raum, ist längst kein Geheimtipp mehr. Ein Viertel aller Flüchtlinge, die in Norwegen Asyl suchen, kommt inzwischen über die kleine Grenzstation in der Nähe von Kirkenes. In der vergangenen Woche waren es 1113, in der Woche davor rund 800. „Die Zahlen steigen ständig und wir wissen, dass auf der russischen Seite viele auf ihre Ausreise warten“, sagt Stein Kristian Hansen, Chef der Grenzstation. Seine Leute sind rund um die Uhr mit der Registrierung der Flüchtlinge beschäftigt. Viele der Beamten seien erschöpft. So einen Andrang ist die Station nicht gewohnt. Im letzten Jahr kamen nicht mal zehn Asylbewerber über Storskog.

Weil die russischen Gesetze vorschreiben, dass die Grenze nicht zu Fuß überquert werden darf, kommen alle Flüchtlinge mit Fahrrädern. Auf der russischen Seite soll ein lebhafter Zweirad-Handel entstanden sein. Viele müssen ihr letztes Geld für die Radtour nach Norwegen berappen. Dabei haben sie nicht lange etwas davon. Denn nach norwegischen Maßstäben sind die Drahtesel nicht verkehrssicher und werden an der Grenze einkassiert. Einmal am Tag kommt ein Schrottunternehmer, der die Räder entsorgt.

Der große Ansturm an Einreisenden schafft auch logistische Probleme. Denn bislang waren es hauptsächlich Anwohner der grenznahen Regionen, die mit dem Auto die Grenze kreuzten. In dem kleinen Anmeldehäuschen ist deshalb auch nicht viel Platz. Damit die vielen Flüchtlinge nicht in der Kälte warten müssen, hat man nun orangefarbene Zelte aufgestellt. „Wir hoffen, es wird besser, wenn das neue Empfangslager fertig ist“, sagt Hansen.

Neben dem Flughafen in Kirkenes entsteht ein neues Barackenlager. Der Katastrophenschutz schraubt Betten zusammen. Am Donnerstag soll geöffnet werden. Viel Platz gibt es nicht für den einzelnen, aber die Neuankömmlinge sollen hier sowieso nicht länger als 24 Stunden bleiben, für einen Gesundheitscheck und ein erstes Interview. Danach werden sie weitertransportiert in andere Lager, die für einen längerfristigen Aufenthalt geeignet sind.

In Vadsø, zwei Autostunden entfernt von Kirkenes, ist das bislang größte Aufnahmelager im Norden Norwegens. 316 Menschen warten hier darauf, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird. Es ist eng. „Wir haben eigentlich eine Kapazität von 275 Betten, aber wir haben noch ein paar mehr reingequetscht“, sagt Per Yngve Christensen, der Leiter des Oscarsgata mottak. Seit 24 Jahren gibt es die Asylbewerberunterkunft in dem 6000-Einwohner-Städtchen. „Aber so voll wie jetzt war es noch nie hier.“

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Mit dem Rad auf der Flucht

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„Ich kann gar nicht Fahrradfahren“

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