Flüchtlinge zur Integration zwingen?
Schrille Töne und ein erster Stich der CSU

Die CSU fordert verpflichtende Integrationskurse für Flüchtlinge. Sicher hat sie damit die Hoheit an den Stammtischen – und einen ersten Stich im politischen Spiel, das 2016 seinen Höhepunkt erreicht. Ein Kommentar.
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BerlinStellen wir uns doch einmal naiver als wir sind: Der CSU geht es mit ihrer Forderung nach einer strafbewehrten Integrationspflicht – von Leistungskürzungen bis hin zur Abschiebung – nicht um die Hoheit über die Stammtische, nicht darum, den von ihr als Schmach begriffenen Verzicht auf die Obergrenzen-Forderung wett zu machen und auch nicht um ihre Klausurtagung in Wildbad Kreuth und noch viel weniger um eine lautstarke Konkurrenz zur AfD.

Gehen wir also davon aus, dass es der CSU wie auch der AFD um die Flüchtlinge, ihre Integration und um unser Gemeinwesen geht. Sollten wir mit dieser Naivität richtig liegen, so müssen wir anerkennen, dass Sprachkurse, Integrationskurse, Hortplätze, die Vermittlung unserer Werte an die Neuen eine prima Sache sind.

Das Problem ist: Da muss die CSU erst einmal uns alle, vor allem den Staat, also den Bund und die Länder in die Verantwortung nehmen wollen und darauf pochen, dass diese höchst vernünftigen Angebote an die Zugereisten überhaupt gemacht werden können.

Wie schwer und wie teuer dieses Unterfangen ist, zeigt schon die Tatsache, dass jetzt 8500 Lehrer gesucht werden, um die Kurse und den Unterricht zu bewältigen, dass derzeit etliche Tausend freiwillige Helfer dem Staat mit beispiellosem Engagement auf die Sprünge helfen müssen, um überhaupt die Vorbedingungen der Möglichkeit von Integration – von der Registrierung bis zur Unterbringung – zu stemmen. Und nicht nur die Hauptstadt und Millionen-Metropole Berlin zeigt aller Welt, dass mit freiwilligem Engagement nicht alles zu leisten ist.

Angela Merkels hohes Lied auf die Leistungsfähigkeit der Deutschen „Wir schaffen das!“ stößt in der Tiefebene der praktischen Bewältigung allzu oft auf Barrikaden, Unfähigkeiten, Unwillen und schlicht (wie in Berlin oder im Bundesamt für Migration) auf Versagen.

Alle diese Pflicht-Leistungen müssen gewährleistet sein, damit die Flüchtlinge ihrerseits in die Pflicht genommen werden können, sich zu integrieren, also diese Angebote als Pflichtprogramm wahrzunehmen. Die rheinland-pfälzische CDU-Wahlkämpferin Julia Klöckner pflichtet der CSU bei und bescheidet uns aber, dass Integration keine „Addition von Vielfalt oder Larifari-Multikulti“ sei.

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  • Ich bin gegen die Einbürgerung. Diese Leute kommen nicht aus den Flüchtlingslagern z.B. in der Türkei, weil sie dort bedroht waren, sondern weil unsere Frau Merkel es ihnen schmackhaft gemacht hat. Würden die Regeln des Asylrechts angelegt, hätte kaum einer Aussicht auf Erfolg. Ich bin dafür, dass unsere Politiker endlich alles dafür tun, damit die Ursachen der Flucht beseitigt werden. Auch wenn wir dazu unsere "Freunde" unter Druck setzen müssen. Außerdem muß viel mehr Geld in die Flüchtlingslager fließen, damit die Hilfsoranisationen dort vor Ort was bewirken können. Wie falsch wir mit unserer Politik liegen, mag man daran erkennen, dass kein europäisches Land mitmachen will.

  • Ja, an den Stammtischen ist die Freiheit zu Hause, und da wird zu Recht bestritten ob die Integrationskurse für Flüchtlinge überhaupt was bringen.
    Von einem Moslem, und das ist hier die Hauptgruppe kann ich doch kein Identitätswechsel erwarten. Eher werden die Volcker Beck Deutschen zu einem Identitätswechsel gezwungen.

  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/ex-us-aussenminister-henry-kissinger-das-hat-es-seit-einigen-tausend-jahren-nicht-gegeben/12773200.html
    Der Kommentar sagt alles über die idiotische Einheitspartei.

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