Flüchtlingsdebatte in der Union
Showdown in den Alpen

Druck auf die Kanzlerin von allen Seiten: Angela Merkel reist mit ihrem Finanzminister zu ihren schärfsten Kritikern ihrer Flüchtlingspolitik nach Wildbad Kreuth. Doch auch der Koalitionspartner macht Druck.

Kreuth/BerlinVor dem neuerlichen Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der CSU in Wildbad Kreuth hat CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer „schnellstens“ eine Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik verlangt. „Klare Lage für die CSU ist: Wir haben keine Zeit mehr“, sagte Scheuer der Deutschen Presse-Agentur. Die CSU sei skeptisch, „ob wir schnell eine europäische und internationale Lösung hinbekommen“.

Auf die Frage, was die CSU mache, wenn Merkel nicht einlenke, sagte Scheuer: „Wir sind an einer Lösung interessiert, CDU und CSU gemeinsam mit der Bundeskanzlerin – aber im Vordergrund steht die Lösung.“ Ähnlich hatte sich zuvor CSU-Chef Horst Seehofer geäußert.

Dagegen erwartet der Koalitionspartner SPD, dass Merkel der CSU die Grenzen aufzeigt. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte dpa: „Angela Merkel muss zeigen, wer in der Union die Hosen an hat.“

Die Kanzlerin müsse die ständigen Querschüsse aus den eigenen Reihen unterbinden. „Dazu hat sie heute bei der CSU in Kreuth Gelegenheit“, so die SPD-Politikerin. „Was wir jetzt brauchen, ist Klarheit. Immer neue und illusorische Forderungen bringen uns nicht weiter.“ Die Bundesregierung müsse gemeinsam getroffene Vereinbarungen nun rasch umsetzen.

Seehofer und die CSU verlangen eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen, Merkel lehnt dies ab. Die Kanzlerin wird am Abend bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion erwartet. Vor zwei Wochen war sie Gast bei der Kreuther Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch), er hoffe, dass die Kanzlerin verstehe, wie sich die Lage in Deutschland verändert habe. „Viele Menschen wünschen sich anstelle von Willkommenskultur endlich eine Vernunftkultur.“ Für eine Wende in der Flüchtlingspolitik werde das Zeitfenster immer kleiner. „Innere Sicherheit duldet keinen Aufschub“, so der CSU-Politiker. Deshalb könnten CDU und CSU bei Stabilität und Sicherheit keine falschen Kompromisse machen.

Seehofer verlangte von Merkel einen Kurswechsel binnen weniger Wochen: „Ich glaube, das ist eine vernünftige Zeitachse“, sagte er am Dienstag. Allerdings machte er zugleich deutlich, dass er nicht damit rechnet, dass die Kanzlerin am Mittwoch in Wildbad Kreuth eine Kehrtwende vollzieht.

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„Die CSU schürt Hysterie“

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