Flüchtlingskrise
Auf die CSU kann sich Schäuble verlassen

Wolfgang Schäuble hat angesichts des Flüchtlingszustroms nach Deutschland von einer „Lawine“ gesprochen – und damit breite Kritik ausgelöst. Nun springt die CSU dem Finanzminister bei - und macht ihm ein Kompliment.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bekommt für seinen Lawinen-Vergleich in der Flüchtlingskrise Rückendeckung aus der Union. „Schäuble drückt in bildhafter Sprache aus, was viele Menschen in Deutschland empfinden“, schrieb der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, im Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir brauchen keine Sprachdiskussion, sondern eine Lösung der Flüchtlingskrise.“

Der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, stellte sich ebenfalls hinter Schäuble. „Wolfgang Schäuble hat die Stimmung in der Bevölkerung getroffen“, sagte Kretschmer dem Handelsblatt. Die Kritik aus der SPD an Schäuble wies Kretschmer, der auch Generalsekretär der sächsischen CDU ist, scharf zurück. „Die SPD entzieht sich ständig, wenn es um konkrete Schritte zur Eindämmung des Zustroms geht“, sagte er.

Auch der konservative Flügel der Union sprang Schäuble bei.  „Die SPD sollte sich mit schnellen Vorwürfen etwas zurückhalten. Bisher hab ich noch keinen einzigen hilfreichen Vorschlag von SPD-Seite gehört“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß vom konservativen Berliner Kreis der Union dem Handelsblatt. „Wolfgang Schäuble beschreibt zurecht die ernsthafte Lage und den dringenden Handlungsbedarf.“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (CDU) reagierte mit Unverständnis auf die Kritik. „Die ganze Aufregung über das Zitat ist wirklich unnötig“, sagte Bosbach dem Handelsblatt. „Wolfang Schäuble hat nicht Flüchtlinge  mit einer Naturkatastrophe verglichen, sondern darauf hingewiesen, dass sich der gezielte Zuzug nach Deutschland in den letzten Monaten deutlich verstärkt hat, weil die Flüchtlinge dort hingehen, wo die meisten ihrer Landsleute, Familienangehörigen oder Freunde schon sind.“´

Und je mehr Flüchtlinge kämen, desto mehr würden den Wunsch haben, ebenfalls den Weg nach Deutschland zu wählen“, sagte Bosbach weiter. „Er hat also lediglich auf einen sich selbst verstärkenden Effekt hinweisen wollen.“

Schäuble hatte sich am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Centrums für Europäische Politik (CEP) geäußert. Demnach hatte der Minister die Einschätzung geäußert, dass sich Flüchtlingsströme auch zu einer Lawine ausweiten könnten. „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt“, sagte Schäuble.  „Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist, oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht.“

Vor allem in der SPD erntete Schäuble für seinen Vergleich scharfe Kritik. Justizminister Heiko Maas betonte am Donnerstag: „Menschen in Not sind keine Naturkatastrophe.“ Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb der SPD-Politiker: „Wir sollten die Flüchtlingsdebatte besonnen führen und nicht mit Worten Öl ins Feuer gießen.“

Auch Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel hielt den Lawinen-Vergleich für unpassend. „Ich kann mir das Bild nicht zu eigen machen. Ich würde einen solchen Vergleich nicht wählen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nannte Schäubles Äußerung „nicht hilfreich“: „Union muss schnell zur Sacharbeit zurückkehren. Es ist jetzt mal genug“, twitterte er.

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  • Ach wissen Sie Herr Papadopoulos, mit dem Alter ist das so eine Sache.
    Menschen die 1945 20 Jahre alt waren und 1940 15 Jahre sind heute 90 Jahre alt.

    Es gibt möglicherweise auch 90 jährige Touristen, die nach Greichenland reisen, sie dürften allerdings eine unbedeutende Minderheit der deutschen und österreichischen Touristen sein.

    Im übrigen gehen langsam auf die siebzig zu, es fehlen nur noch 4 Jahre. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war ich oft in Griechenland als sog. Rucksacktourist unterwegs auch noch zu Zeiten der ausgehenden Militärdiktatur und dann danach und bin immer sehr freundlich empfangen worden

    Ich mag Griechenland und die Griechen und habe nur die besten Erinnerungen..

  • ---Praktisch gesehen , können mehrere gut bewaffnete Kompanien unsere Grenzen überschreiten ! ............ und es ist niemand da der sie aufhalten könnte.
    Keine Bundeswehr , kein Grenzschutz nichts !
    ... aber unser Verfassungsschutz notiert , ob bei Demos böse Worte gerufen werden , misst die Lautstärke , und wenn opportun , macht er eine Anzeige !
    Und das beruhigt mich sehr !

  • Schäuble mahnt und hat doch innerlich schon abgeschlossen mit dem Thema. Weis er doch wie die Deutschen ticken. Wenn es irgendwo was billiges gibt, dann sind sie da und kaufen. So wie die Dönerbude an jeder Strassenecke steht, so wird das in Zukunft noch grössere Ausmasse annehmen. Falafel wird sich durchsetzen.
    Ein Volk ohne Stolz schafft sich selbst ab!

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