Flüchtlingskrise und Weiberfastnacht
Kölner Karneval auf CNN

Was für ein Medienhype: Nach den Silvester-Übergriffen steht die Kölner Polizei im Fokus der internationalen Presse. Zum Karnevals-Start haben sich Fernseh-Teams aus der ganzen Welt angemeldet.

KölnWolfgang Baldes hat einen stressigen Bürojob. Seit Tagen steht sein Telefon kaum noch still. Baldes ist Pressesprecher der Polizei in Köln. Sein Thema: Die Sicherheit beim Kölner Karneval. Auf seiner Liste stehen bereits 30 Anfragen von Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen. „So groß wie in diesem Jahr war das Interesse noch nie“, sagt er.

Neben bundesweiten Medien wie ARD, ZDF, RTL, Sat1, Deutsche Welle, „Spiegel“ und „Focus“ bekam Baldes' Abteilung auffallend viele Anrufe aus dem Ausland. Zum Karnevals-Start am kommenden Donnerstag haben sich Rundfunkstationen aus aller Welt angemeldet. So planen Radio France, das Schweizer Fernsehen und der US-amerikanische Nachrichtensender CNN ebenso aus der Domstadt zu berichten wie Fernsehstationen aus Norwegen, Dänemark und Finnland. Auf der Liste steht außerdem die britische „Sunday Times“.

„Köln hat in diesem Jahr weltweite Bedeutung an Weiberfastnacht“, sagt Wolfgang Baldes. Um den Medienansturm zu bewältigen, seien am Donnerstag allein zwölf Ansprechpartner für Journalisten im Einsatz. In den vergangenen Jahren reichte der Polizei ein einziger Pressesprecher. „Normalerweise wollen die Zeitungen nur wissen, ob alles friedlich ist und ob schön geschunkelt wird“, sagt Baldes. In diesem Jahr geht es um mehr. Nicht zuletzt um den Ruf der Kölner Polizei.

Die war nach den Übergriffen durch Flüchtlinge auf Frauen in der Silvesternacht massiv in die Kritik geraten. In einer Pressemitteilung am 1. Januar hatte die Behörde von „weitgehend friedlichen Feiern“ und einer „entspannten Einsatzlage“ berichtet. Bis diesen Freitag sind bei der Polizei 1016 Strafanzeigen eingegangen, darunter 433 wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten wie Nötigung. Der Rest entfällt unter anderem auf Raub, Diebstahl und Körperverletzung. Polizeipräsident Wolfgang Albers musste bereits am 8. Januar gehen.

Nun bemüht sich die Kölner Polizei um Transparenz. Am kommenden Montag stellt die Behörde ihr Einsatzkonzept für die Karnevalswoche vor, in der mit 2500 Beamten weit mehr als doppelt so viele Kräfte wie üblich im Einsatz sind. In der Einladung zur Pressekonferenz heißt es: „Die Ereignisse der Silvesternacht am Hauptbahnhof haben das Sicherheitsgefühl der Kölnerinnen und Kölner und in der gesamten Bundesrepublik nachhaltig berührt.“

Die Stadt Köln, das Festkomitee Kölner Karneval sowie die Dienstleister im öffentlichen Raum hätten ihre Pläne überprüft, neu strukturiert und ausgebaut. Köln sei „für die tollen Tage gerüstet“. Reporter aus aller Welt werden prüfen, ob das stimmt.

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