Fördersystem für Studenten
Bafög-Regeln behindern Studenten

Das aktuelle deutsche Fördersystem für Studenten ist nicht zukunftsfest. Das kritisieren sowohl der Stifterverband der Wirtschaft für die Wissenschaft als auch Sozialdemokraten und Grüne. Sie verlangen eine Öffnung des Bafög für Menschen, die das 30. Lebensjahr überschritten haben. Wenn man lebenslanges Lernen ernst nehme, sei das nur logisch.

BERLIN. Besondere Brisanz hat die bestehende Altersgrenze für die Zukunft des Master-Studiums: Eigentlich soll die Zweiteilung des Studiums in Bachelor und Master auch Studenten in Deutschland ermöglichen, bereits mit dem Bachelor-Zeugnis ins Berufsleben einzusteigen. Dieses zentrale Element der Bologna-Reform soll bis 2010 flächendeckend verwirklicht sein. Wirtschaftsverbände und Konzerne erhoffen sich davon, dass ihnen in Zeiten des Fachkräftemangels der akademisch gebildete Nachwuchs schneller zur Verfügung steht.

In der Theorie hat jeder Bachelor die Möglichkeit, später noch einen Master zu machen. Vorbild sind die angelsächsischen Länder. Vor allem in den USA verlässt die große Masse der Studenten College oder Universität mit dem Bachelor. Nur ein kleiner Teil macht einen Master – entweder direkt im Anschluss oder vielfach erst nach einigen Jahren im Berufsleben. Die Fachrichtung muss dann keineswegs dem Bachelor entsprechen. Viele spezialisieren sich hingegen in einer anderen Disziplin – teilweise gezielt in Absprache mit einem Arbeitgeber.

Derlei ist in Deutschland Zukunftsmusik. Derzeit verlassen die ersten Bachelor-Absolventen die Hochschulen. Wenn sie einen Master nachschieben wollen, müssen sie sich beeilen, weil das Bafög nur bis zum Alter von 30 Jahren gezahlt wird. „Das ist der augenfälligste Beweis, dass unsere Fördersysteme nicht mehr passen“, sagt die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Ulla Burchardt (SPD). Schon heute sind rund vier Prozent der Studenten älter als 30 Jahre.

Auch der Vize-Generalsekretär des Stifterverbandes, Volker Meyer-Guckel kritisiert, die Förderregeln minderten erheblich den Anreiz, sich zunächst in der Praxis umzuschauen und ein Aufbau-Studium auf später zu vertagen. Österreich hat bereits Konsequenzen gezogen und die Fördergrenze auf 35 Jahre hochgesetzt. Das will auch die SPD-Fraktion. Im Bundesbildungsministerium hingegen heißt es, das Bafög diene der „Erstausbildung“ junger Menschen und nicht der Weiterbildung. Ältere Facharbeiter können zwar Meister-Bafög beantragen – das wiederum gilt aber nicht für ein Studium.

Mittelfristig „brauchen wir daher die Zusammenführung von Bafög und Meisterbafög“, fordert Burchardt. Die Grünen werben für einen Ausbau des Meisterbafögs zum Erwachsenen-Bafög. Das würde inklusive einer großzügigen Förderung des Bildungssparens rund 100 Mill. Euro pro Jahr kosten, hat die grüne Bildungsexpertin Priska Hinz vorgerechnet.

Neben der Förderung fehlt es bislang allerdings auch an entsprechenden Angeboten für ein Master-Studium nach einer ersten Praxisphase. Aktuell bieten die Hochschulen nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz 4 000 Masterstudiengänge an. Davon haben die Hochschulen gerade einmal 372 explizit als „weiterbildend“ eingeordnet. Weitere 350 Masterstudien sind unabhängig von einem Bachelor-Studium konzipiert (also „nicht-konsekutiv“) und können daher theoretisch ebenfalls nach einer Praxisphase studiert werden.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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