Forsa-Umfrage
Friedensnobelpreis für Merkel?

Ob Ukraine-Konflikt oder Flüchtlingsandrang: In Krisenzeiten läuft Merkel zur Hochform auf. Vielleicht bekommt sie dafür sogar den Friedensnobelpreis. Viele Deutsche halten sie aber für keine geeignete Kandidatin.

Berlin„Massenflucht nach Deutschland: So viel Risiko war noch nie. Und Angela Merkel geht aufs Ganze. Sie ist die Krisenkanzlerin“, brachte jüngst die Wochenzeitung „Die Zeit“ auf den Punkt, was dieser Tage das politische Berlin in Atem hält. Tatsächlich steht für Merkel viel auf dem Spiel. Angesichts des großen Flüchtlingsandrangs in Deutschland steht sie unter ziemlichem Druck. Die Kritik aus der Union an ihrem betont optimistischen „Wir schaffen das“-Kurs wird immer lauter und ihr Absturz in den Beliebtheitsrankings der Umfrageinstitute geht ungebremst weiter.

In dieser Situation beweist Merkel Tatkraft und macht das Thema Flüchtlinge zur Chefsache. Nicht mehr ihr Innenminister hat nun die Fäden in der Hand, sondern einer ihrer engsten Vertrauten, der Chef des Kanzleramts Peter Altmaier (CDU), soll nun das Flüchtlingschaos auflösen. Ob der Umbau der Zuständigkeiten hilft, den schleichenden Niedergang der Kanzlerin in der Wählergunst zu stoppen, wird sich erst noch erweisen müssen. International hat Merkel die wesentlich besseren Karten. Während in Deutschland ihre Beliebtheitswerte sinken, steigen sie im Ausland.

U2-Sänger Bono, Mitbegründer der Entwicklungshilfe-Lobbyorganisation One, hielt kürzlich beim Uno-Gipfel in New York vor einem an Geld und Einfluss reichen Publikum eine Lobeshymne auf die Kanzlerin. Es sei unglaublich, was diese Frau und ihr Land in den vergangenen Wochen in der Flüchtlingskrise geleistet hätten, schwärmt er. Von ihrem Flüchtlingseinsatz sind selbst ausländische Medien begeistert. Ein Kolumnist in Kanada meinte gar: „Dafür sollte Angela Merkel den Friedensnobelpreis erhalten.“

Merkel will sich mit der Frage erst gar nicht beschäftigen, ob sie den Friedensnobelpreis bekommt. „Die Diskussion bedrückt mich fast“, sagte die Regierungschefin am Mittwochabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“. Sie sei derzeit mit anderen Dingen beschäftigt und verwies auf den Zustrom der Asylbewerber.

Die Chancen allerdings, dass Merkel den Preis am Freitag bekommt, stehen inzwischen sogar sehr gut - glaubt man dem traditionsreichen britischen Wettanbieter Ladbrokes. Die Wettquote lag am Mittwoch bei 2/1, heißt: Für ein eingesetztes britisches Pfund bekommt man zwei zurück. Damit lag Merkel an der Spitze vor dem kongolesischen Arzt und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege (5/1). Papst Franziskus lag mit einer Quote von 6/1 auf dem dritten Platz.

In Deutschland ist die Stimmung allerdings eine andere. Zwei Drittel der Bundesbürger sind der Meinung, dass Merkel den Friedenspreis nicht bekommen sollte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Handelsblatts.

Ein Drittel der 1.002 Befragten (34 Prozent) meinen demnach, Merkel wäre eine geeignete Kandidatin für diesen Preis. Die Mehrheit der Bürger (61 Prozent) sieht das nicht so.

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