Frank-Jürgen Weise
„Es gibt keine Hinweise auf eine tiefe Rezession“

Trotz des nachlassenden Wirtschaftswachstums spricht alles dafür, dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, so Frank-Jürgen Weise. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit über Fachkräftebedarf und sinkende Defizite.
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Herr Weise, vor kurzer Zeit gab es noch die Hoffnung auf einen baldigen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf unter 2,5 Millionen. Wie viel ist davon angesichts der in den vergangenen Wochen abflauenden Konjunktur noch übrig?

Die Hoffnung ist jetzt gedämpfter. Diese optimistische Variante der Erwartungen wird aller Voraussicht nach kurzfristig nicht eintreffen. Trotzdem sprechen alle Anzeichen dafür, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Und das ist schon sehr bemerkenswert und freut mich. Trotz nachlassender Dynamik in der Wirtschaft scheint sich der Arbeitsmarkt immer noch gut zu entwickeln.

Man weiß aber spätestens seit dem Jahr 2009, dass aus nachlassender Dynamik sehr schnell eine dramatische Rezession werden kann.

Umso mehr sollte man es vermeiden, sich selbst erfüllende negative Prophezeiungen in die Welt zu setzen. Und wir haben ja unsere Arbeitsagenturen, die laufend flächendeckend die Einschätzungen der Unternehmen zur Geschäfts- und Beschäftigungsentwicklung erfassen. Das Bild ist klar: Es gibt keine Hinweise auf eine tiefe Rezession.

Schon in vier Jahren, im Jahr 2015, werden allein wegen der schnellen Alterung der deutschen Gesellschaft runde 800000 Arbeitskräfte weniger verfügbar sein. Müsste da die Arbeitslosigkeit nicht eigentlich viel stärker sinken?

Die Demografie ist in jedem Fall ein Faktor, der unabhängig von der Konjunktur den Rückgang der Arbeitslosigkeit begünstigt. Unter den Arbeitslosen sind nun aber umso häufiger Menschen, die höhere Hürden überwinden müssen. Etwa Menschen ohne Berufsausbildung.

Hat die Debatte über den wachsenden Fachkräftemangel, die im vergangenen Wirtschaftsboom geführt wurde, das wahre Fachkräfteproblem vielleicht sogar ein wenig überzeichnet?

Es zahlt sich aus, wenn man mit Begriffen präzise ist. Ich habe immer von einem hohen Bedarf an Fachkräften gesprochen, der voraussichtlich weiter wachsen wird. Und das ist eben der Punkt: Insbesondere bei den mathematisch-technischen Berufen wird der Bedarf der Unternehmen auch über das nächste Konjunkturtal hinaus weiter steigen - und zwar stärker als die Zahl der Fachkräfte, die unter konventionellen Umständen nachwächst.

Und was bedeutet das nun für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit?

Auf der einen Seite erkennen Arbeitgeber, dass sie bei der Personalsuche anders als früher nicht mehr immer ihr Idealprofil durchsetzen können. Das ist durchaus positiv. Es erhalten jetzt öfter auch Menschen eine Chance, die früher aussortiert worden wären. Auf der anderen Seite ist es ein großer Vorteil, dass der deutsche Arbeitsmarkt ein Stück offener geworden ist für Fachkräfte aus dem Ausland - vor allem dank der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Wie sehr bremsen die neuen Knappheitsverhältnisse am Arbeitsmarkt heute schon das Wirtschaftswachstum?

Das kann man schwer beziffern. Aber natürlich sehen sich Unternehmen schon gehemmt, wenn sie offene Stellen nicht mehr zügig besetzen können. Eine noch größere Gefahr entsteht, falls Unternehmen generell den Eindruck gewinnen, dass Fachkräfte in Deutschland schwer zu finden sind. Das fließt dann bei global agierenden Unternehmen in ganze Standortentscheidungen ein - und mit jedem negativen Einzelbeispiel wird das Problem noch größer.

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  • Sie merken anscheinend nicht das der Wechselkurs gerade manipuliert ist oder glauben sie an die Merkelmärchen ? Die ganze Welt spekuliert mit recht darauf das die EU auf Grund der ganzen Probleme versagen wird und die Banken haben mit Hebelwetten das Casino eröffnet. Darum erleben Sie gerade noch den letzten guten Wechselkurs in der Geschichte des Euros. Die EU ist in der Zwickmühle, steigt der Euro oder bleibt bei 1.39 USD werden viele Länder in der EU wie Italien, Frankreich, Spanien nicht konkurrenzfähig sein, da China etc. lieber billig mit USD Beständen aus der USA importieren würde, oder man passt den Euro der Wirtschaftsleistung der oben genannten Länder an und der Euro samt Bankensystem implodiert. Das Spiel geht auf Zeit, die Euros sind abverkauft. Es gibt nur eine Lösung für das EU Drama. Länder wie Deutschland, Österreich, Holland, etc. steigen aus dem Euro aus, so das die Wetten gegen den Euro ihn auf den realen Wert drücken ohne das andere Wirtschaftsstarken Länder von dem billig Euro profitieren können.

  • Gute Geschäftsideen im Handwerk:
    Kritik an die Bundesagentur im Bereich der Fördermöglichkeiten von Unternehmen mit guten Perspektiven. In dem einen oder anderen Fall werden immer noch Unternehmensgründer unnötig blockiert obwohl zukünftig zur Entwicklung von neuen Arbeitsplätzen diese Möglichkeiten bestehen bleiben müssen. Darunter sind zukunftsträchtige Unternehmen und diese dürfen auf keinen Fall unter Generalverdacht gestellt werden.
    Einäugig sei es solchen Unternehmen in der inszenierten pauschalierten Art u. Weise so anzugehen denn in dem einen oder anderen Fall werden immer noch Unternehmensgründer zu wenig gefördert und so unnötig blockiert obwohl zukünftig zur Entwicklung von neuen Arbeitsplätzen diese Möglichkeiten bestehen bleiben muss.

  • Frank Jürgen Weise gar nicht was in der Welt so abgeht. Ich lebe in Taiwan und handle mit Computer Komponenten. Von 2005 bis 2009 lief alles bestens, ab 2010 lief gar nichts mehr. Regierungen und Banken haben beim Crash 2009 Aktien aufgekauft um einen Aufschwung vor zu gaukeln, der Aufschwung war erlogen. Wenn Computer,- Komponenten und Zubehör nicht gehen, dann stimmt was nicht und alle meine Kunden in Deutschland sind gerade am abkotzen oder haben schon zugemacht. Das einzige was derzeit sehr gut läuft ist Maschinenbau mit sehr guten Absatzzahlen in Iran für das Aufrüsten und wofür das gut sein soll fragen sie mal die 500 000 Plastiksärge in den USA die schon auf Ihre Füllung warten. Herr Weise sie können wahrscheinlich nichts dafür, aber hören Sie auf das Volk zu verscheissern, falls sie denn wirklich diesen Müll von sich gegeben haben. Fakt ist wir stecken in einer globalen Rezession und es geht noch weiter bergab. Wenn der Einzelhandel in diesem Jahr keinen Umsatz macht wovon viele abhängig sind, wird es düster werden im nächsten Jahr, für Deutschland und den Rest der EU wenn es diese im nächsten Jahr noch geben sollte.

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