Friedrich Merz
Der umjubelte Verlierer

Der Auftritt bei der Jungen Union am Wochenende war Balsam für die Seele von Friedrich Merz. Jubel aus den eigenen Reihen hatte er zuletzt kaum noch gehört. Für den CDU-Finanzexperten ist trotz engagierten Wahlkampfes kein Platz in der Parteispitze. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass sein erneuter Karriere-Knick von längerer Dauer sein wird.

HB BERLIN. Im Wahlkampf schien es noch, als wäre Merz mit einem Schlag wieder mitten im politischen Berlin. Nach den lobenden Worten der Kanzlerkandidatin („einer der talentiertesten Politiker”) galt er als sicher gesetzt in einer unionsgeführten Bundesregierung. Doch alles kam anders. Für die Wunschkoalition mit der FDP reichte es nicht, und genauso schnell, wie Merz aus den hinteren Parteireihen aufgetaucht war, verschwand er nach der Wahl auch wieder von der Bildfläche.

Die Ministerposten in einer schwarz-roten Koalition sind bereits vergeben, als Staatssekretär ist er zumindest bisher nicht im Gespräch. Soweit bekannt, spielt der Finanzexperte auch in den Arbeitsgruppen der Koalitionsverhandlungen keine Rolle. In der Fraktion ist Volker Kauder für den Vorsitz vorgesehen. Daran änderte auch der schmeichelnde Antrag der Jungen Union nichts, nachdem Merz Angela Merkel als Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion ablösen sollte.

„Frau Merkel hat Volker Kauder als Fraktionschef vorgeschlagen“, bekräftigte stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Ronald Pofalla im „Handelsblatt“. Er sei sehr sicher, dass dieser Vorschlag in der Fraktion eine breite Mehrheit finden werde. Merz sieht sich erneut in die Verlierecke gedrängt. Dabei hatte er sein Direktmandat bei der Bundestagswahl mit Bravour zurückerobert - 57,7 Prozent der Erststimmen, glatte vier Prozentpunkte mehr als 2002.

Doch vieles deutet darauf hin, dass der Karriere-Knick des 49-Jährigen von längerer Dauer sein wird als er selbst wahrscheinlich kalkuliert hat. Er könnte so lange dauern, wie Merkel in der CDU und der Bundesregierung das Sagen hat.

Dass es soweit gekommen ist, daran hat der eigenwillige Sauerländer selbst kräftig mitgearbeitet. Zuletzt war das der Fall, als er just in der kritischen Phase, in der Merkel ihren Anspruch auf das Kanzleramt durchsetzen musste, die CDU-Chefin öffentlich für das unerwartet schlechte Abschneiden der Union bei der Wahl verantwortlich machte.

Zwar nannte Merz in der „Wirtschaftswoche“ den Namen Merkel nicht, aber jeder wusste, wer gemeint war, als er formulierte: „Das Potenzial der Union kommt in den Erststimmen mit 40,8 Prozent zum Ausdruck. Nur 36,2 Prozent bei den Zweitstimmen sind eine überdeutliche Antwort der Wähler an Wahlprogramm und personelles Angebot der Union.“ Nachdem Merz durch einen engagierten und loyalen Wahlkampf die Hoffnung genährt hatte, er ließe sich wieder integrieren, muss der Artikel auf Merkel wie eine kalte Dusche gewirkt haben.

Seite 1:

Der umjubelte Verlierer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%