Fünf Fragen an Manuel Theisen
BWL-Professor Theisen: "Erstes Licht nach dunklen Stunden"

Manuel René Theisen, BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zu den jüngsten Entwicklungen im Fall Mannesmann.

Herr Theisen, der Fall Mannesmann muss neu aufgerollt werden. Ist das sinnvoll?

Die Entscheidung unserer obersten Richter bringt nach vielen dunklen Stunden ein erstes und hoffnungsvolles Licht für die Corporate Governance in Deutschland.

Bringt eine Wiederauflage des spektakulären Verfahrens nicht eher Verunsicherung?

Im Gegenteil. Der Freispruch war weder im Inland, aber erst recht nicht im Ausland vermittelbar. Keine strafrechtliche Verurteilung, aber aktienrechtlich kritische Prämienzahlungen – das kauft uns doch kein Mensch ab. Der Bundesgerichtshof hat darüber hinaus einige ganz klare Vorgaben an die Beschlusskammer gemacht. Der blaue Himmel über dem Düsseldorfer Gericht in erster Instanz ist damit verschwunden. Für die Sache sehe ich deshalb eine ganz neue Chance.

Am Ende werden wir wissen, ob Prämienzahlungen á la Mannesmann erlaubt sind?

Auf jeden Fall wird diese Frage am Ende des Verfahrens etwas präziser beantwortet sein. Der BGH ist offensichtlich im Gegensatz zur Vorinstanz der Meinung, dass Prämienzahlungen zu diesem Zeitpunkt nicht zulässig waren. Das gilt für den Bonus an den ehemaligen Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser, aber möglicherweise auch für die nachträglich erhöhten Pensionsansprüche.

Was ist mit den Zahlungen an Joachim Funk, Ex-Vorstand und damaliger Aufsichtsratschef?

Hier sieht der Gerichtshof in besonderem Maße Nachbesserungsbedarf, weil neben dem Untreuevorwurf gegenüber der Gesellschaft noch die Frage der Selbstbereicherung zu überprüfen sein wird. Der BGH spricht sogar von „willkürlichen Sonderzahlungen“.

Gerichte entscheiden immer nur im Einzelfall. Sollten Abfindungszahlungen per Gesetz oder über freiwillige Verabredungen reguliert werden?

Auf keinen Fall. Das kann und sollte man weder in einem Verhaltenskodex, schon gar nicht mit einem Gesetz regeln. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes trägt aber hoffentlich dazu bei, dass in Zukunft jeder Manager und jeder Aufsichtsrat sein Verhalten kritischer überprüfen wird.

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