G-8-Proteste
Verfolgungsjagd in der Sperrzone

Zwei Schlauchboote der Umweltorganisation Greenpeace sind am Vormittag in die Sperrzone um den G8- Gipfel in Heiligendamm eingedrungen und haben sich eine riskante Verfolgungsjagd mit der Marine geliefert. Ein Greenpeace-Boot konnte gestoppt werden. Die Polizei hat derweil konkrete Hinweise auf geplante Aktionen militanter Globalisierungsgegner.

HB HEILIGENDAMM. Die Demonstranten, die auf einem Transparent „G-8 act now“ forderten, drehten mehrere Runden in Sichtweite des G-8-Pressezentrums in Kühlungsborn. Greenpeace wollte den Staats- und Regierungschefs eine Petition mit einem Aufruf zum Klimaschutz überreichen. Die Marine drängte die Umweltaktivisten mit Schnellbooten und mehreren eigenen Schlauchbooten ab. Nach einer etwa zehn Minuten langen Verfolgungsjagd wurde zumindest ein Greenpeace-Boot abgefangen. Das Marineboot fuhr in einem riskanten Manöver praktisch auf das Greenpeace-Schlauchboot auf, wobei vier Personen über Bord gingen. Die Demonstranten wurden dann zum Strand gebracht und dort von der Polizei befragt. Ein Sprecher der Polizei konnte zunächst nicht sagen, wie die Sicherheitskräfte weiter mit den Demonstranten verfahren. Ob sie vorübergehend in Gewahrsam genommen worden seien, wisse er nicht, sagte der Sprecher. Über dem Geschehen kreiste ein Hubschrauber. Live-Bilder aus der Luft waren auch auf Monitoren im G-8-Pressezentrum zu verfolgen.

Unterdessen rechnet die Polizei für den zweiten Gipfeltag mit zahlreichen, auch militanten Aktionen von Globalisierungskritikern. Die Polizei habe Hinweise darauf, dass sich gewaltbereite Demonstranten mit Kartoffeln bewaffneten, die mit Nägeln gespickt seien, sagte ein Polizeisprecher. Ferner sei der Einsatz von Rauch- und Brandbomben geplant. Massenblockaden oder dezentrale Blockaden und die Behinderung des öffentlichen Nahverkehrs würden von G-8-Gegnern vorbereitet. Die Polizei rechne ferner mit diversen Ablenkungsmanövern, um Polizeikräfte zu binden.

Am Vormittag war die Lage ruhig. Globalisierungskritiker blockierten zwar abermals Straßen im Umkreis des hermetisch abgesperrten Gipfelortes. Es gehe aber überall friedlich zu, berichtete ein Polizeisprecher. „Wir machen Straßen nur dann frei, wenn wir sie für uns, andere Transporte oder als Rettungswege brauchen.“ Am Sicherheitszaun um den Tagungsort wird die Straße nach Polizeiangaben an der Galopprennbahn von rund 500 Demonstranten blockiert. Weitere 500 Blockierer säßen in Börgerende auf der Straße. „Die Bundesstraße 105 in Bad Doberan wird mal blockiert, mal wieder nicht, das ist eine relativ mobile Geschichte“, sagte der Sprecher. Auch zwischen Kühlungsborn und Rostock säßen Demonstranten auf einer Straße.

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