G7-Proteste in Süddeutschland
Katholiken gegen Protestanten

München wird heute zur Hauptstadt der Demonstrationen. Die Katholiken feiern Fronleichnam mit einer Prozession. Die Gegner des G7-Gipfels streiten derweil für eine gerechtere Welt – doch dieses Lager ist gespalten.
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MünchenEs wirkt, als hätten sie es nicht geplant. Aber wirklich verhindert hat es auch keiner. Donnerstagmittag in der Münchner Innenstadt: Aus Richtung Schwabing ziehen die Katholiken an der Feldherrnhalle vorbei. Toll geschmückte Frauen, Männer und Kinder, angezogen in Tracht, die Haare mit Blumen behangen. So ziehen sie mit ihren Holzkreuzen vorbei – und fragen sich, was denn eigentlich die große schwarze Bühne da macht auf dem Odeonsplatz.

Dort treffen gerade die ersten Gipfelgegner ein, zum Soundcheck. Sie begrüßen sich per Handschlag, einige haben schon ihre Transparente dabei. In wenigen Stunden soll hier die Abschlusskundgebung der großen G7-Demo stattfinden. Also: schnell mal die Boxen gecheckt. Doch auch die Katholiken haben an alles gedacht. Überall in der Fußgängerzone hängen kleine Lautsprecher, die ihre frohe Botschaft von der Auferstehung des Herrn verbreiten. Gerade beginnt auf dem Marienplatz das Hochamt – die ganze Münchner City wird zu einem einzigen „Großer Gott wir loben dich“.

Im ersten Kampf des Tages – Katholiken gegen die G-7-Protestanten, haben die Kirchgänger die Oberhand.

14 Uhr, München, Stachus. Die Sonne brennt vom Himmel, 30 Grad ist es heiß, nirgendwo Schatten. Auf der Bühne sind Grünen Fraktionschef Anton Hofreiter und der Linken-Abgeordnete Klaus Ernst. Zum Auftakt der Demo sollen die Themen der G7-Konferenz aus Sicht der Gegner besprochen werden. Das Freihandelsabkommen TTIP, über das die EU gerade mit den USA verhandelt, macht den Anfang. „TTIP nutzt keinem Bürger. Das nutzt nur den großen Konzernen“, sagt Ernst. „Deshalb müssen wir alles tun, um das Abkommen zu verhindern.“ Die Menge jubelt. Schnell ist man sich auf der Bühne einig: die Grüne, Linke und SPD müssten sich im Bundesrat zusammentun, um das Abkommen zu verhindern. „Macht euer Kreuzerl also an der richtigen Stelle“, mahnt Hofreiter.

Nächste Punkt, die Armutsbekämpfung: Auch ein Problem, dass Kanzlerin Angela Merkel mit den anderen Regierungschefs ab Sonntag in Elmau besprechen will. „Wir würden uns schon freuen, wenn die G7 ihre Versprechen zur Armutsbekämpfung einhalten würden“, schmettert Hofreiter in tiefem Bayerisch. „Bisher tun sie viel zu wenig.“

Wieder großer Beifall unter den Demonstranten, die tapfer in der Sonne ausharren. Große Transparente haben sie gebastelt, um gegen und für alles Mögliche zu kämpfen: Es geht um bayerische Biohühnchen, ebenso um Landwirte im globalen Süden, um CETA, TTIP und TISA. Die Palette ist breit, alles lässt sich ja irgendwie mit G7 und Globalisierung in Verbindung bringen.

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Sieg für den friedlichen Protest

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