Gedenken an NS-Opfer
Bundestagspräsident kritisiert Ahmadinedschad

Mit einer Gedenkstunde hat der Bundestag am Freitag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Parlamentspräsident Norbert Lammert kritisierte aus diesem Anlass den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der den Holocaust in Zweifel gezogen hatte.

HB BERLIN. „Nicht nur wir Deutsche bedürfen des Gedenktages“, sagte Lammert, der Ahmadinedschads Äußerungen aus „unfassbar“ wertete. Wenn sogar Staatsoberhäupter den Holocaust als Märchen bezeichneten und zur Vernichtung Israels aufriefen, müsse gerade Deutschland, wie Mitte Dezember im Bundestag geschehen, das Existenzrecht Israels bekräftigen. Damit zeige es nicht mit dem Finger auf andere. Es widerlege lediglich, „dass wir aus der Geschichte nur gelernt haben, dass wir nichts aus ihr gelernt hätten“.

Der Bundestag werde im Erinnern an die millionenfachen Morde des Holocausts „Antisemitismus und Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz anprangern, verurteilen und bekämpfen“, versprach Lammert. „Dass sich Auschwitz nicht wiederholt, ist in unserer aller Verantwortung.“ Anlässlich des Geburtstags Wolfgang Amadeus Mozarts, der sich am Freitag zum 250. Male jährte, sagte Lammert, diese beiden Daten „verdeutlichen die Spannbreite dessen, wozu Menschen in der Lage sind“.

Hauptredner vor den Spitzen der deutschen Politik einschließlich des Bundespräsidenten ist im Anschluss Ernst Cramer, Publizist und Überlebender der NS-Verfolgung. Der 92-Jährige Cramer hatte sich in den 30er Jahren in der jüdischen Jugendbewegung engagiert. Nach der Reichspogromnacht wurde er im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. 1939 konnte er als einer der letzten deutschen Juden Deutschland verlassen. Seine Eltern und sein Bruder wurden 1942 von den Nazis verschleppt und ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Cramer als Offizier der US-Armee in seine Geburtsstadt Augsburg zurück. Er wurde stellvertretender Chefredakteur der von der amerikanischen Militärregierung herausgegebenen „Neuen Zeitung“, später dann Mitarbeiter der Nachrichtenagentur United Press International (UPI) in den USA. Im Juli 1958 begann seine Karriere im Axel Springer Verlag. Cramer war einer der engsten Vertrauten und Weggefährten des Verlegers.

Der 27. Januar war im Jahr 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Holocaust-Opfer erklärt worden. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von den alliierten Truppen befreit.

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