Gerichtsurteil
Neue Münchener Startbahn darf gebaut werden

Der Flughafen München hat Rechtssicherheit für seine neue Startbahn. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof weist die Klagen ab, die Gegner singen aus Protest die Bayernhymne. Gebaut wird trotzdem vorerst nicht.
  • 20

MünchenDie umstrittene dritte Startbahn am Münchner Flughafen darf aus rechtlicher Sicht gebaut werden. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies am Mittwoch alle 17 Klagen gegen das Milliardenprojekt ab, das nach einem Bürgerentscheid in München 2012 derzeit allerdings auf Eis liegt. Dem seit Jahren umkämpften Projekt stünden weder Umweltschutz- noch Lärmgründe entgegen, sagte der Vorsitzende Richter Erwin Allesch. „Die Planungsbehörde hat ihre Befugnisse und ihren Ermessensspielraum nicht überschritten.“

Allerdings konnte Allesch über fast 20 Minuten seine Ausführungen nicht beenden. An die 300 Startbahngegner im Gerichtssaal quittierten ihre Niederlage mit lauten Buhrufen und dem Absingen der Bayernhymne. Es kam zu tumultartigen Szenen. Schließlich ließ der Richter den Saal räumen. Nur Prozessbeteiligte und Medienvertreter durften bleiben.

Mehrere Kommunen, der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und Privatleute hatten gegen die vom Freistaat 2011 erteilte Baugenehmigung für die vier Kilometer lange Startbahn nahe Freising geklagt. Auf der Piste können stündlich 30 Flugzeuge starten oder landen. Der Prozess hatte sich mit 46 Verhandlungstagen fast ein Jahr lang hingezogen.

Der Flughafenverband ADV begrüßte das Urteil in einer ersten Stellungnahme. Die Entscheidung des VGH sei gleichzeitig „ein gutes Zeichen für alle Flughäfen in unserem Land“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. „Die bedarfsgerechte Entwicklung der Flughafeninfrastruktur in Deutschland muss auch weiterhin möglich sein.“ Die Startbahngegner halten das Projekt für überflüssig, weil die Zahl der Starts und Landungen auf Deutschlands zweitgrößtem Airport in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei. Tatsächlich gibt es weniger Flugbewegungen, weil die Maschinen immer größer werden und oft bis auf den letzten Platz ausgelastet sind.

Seite 1:

Neue Münchener Startbahn darf gebaut werden

Seite 2:

Bürgerinitiativen wollen Nichtzulassungsbeschwerde einlegen

Kommentare zu " Gerichtsurteil: Neue Münchener Startbahn darf gebaut werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich wohne in der Nähe der A 44.

    Beschwere mich aber nicht, da eine Autobahn nunmal eine Geräuschquelle ist und ich das akzeptiere.

    Ich wundere mich oft über die Sichtweise meiner Mitmenschen: beschweren sich über die LKW auf der Bundesstraße, wollen andererseits aber stets jedwede Ware zu jeder Uhrzeit, stets frisch und in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt bekommen.

    Man sollte euch in den Allerwertesten treten, ihr Wohlstandsverseuchten Kleinhirne.

  • @ Fredi
    Achtung!
    stimmt, besonders Bio-Kartiffeln aus Israel, Bio-Gemuese aus Rumaenien od. Bulgarien, Deutschland produziert naemlich nicht genuegend von dem Bio-Zeug!!

  • @ Rene Helmut Schmidt sagte, damals Kanzler, "jeder wil die Autobahn, sie soll aber an Nachbars Haus vorbeifuehren". Das Interesse der Allgmeinheit muss, wie in anderen Laendern, vor spiessbuergerlichen kleinen persoenlichen Interessen Vorrang haben. Da muessten aber die Versicherungen die "Rechtschutzversicherungen" abschaffen! Seit H.Schmidt hat sich halt nix geaendert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%