Gesundheitsreform
AOK-Chef warnt vor Kostenlawine

Die Krankenkassen befürchten einen Kurswechsel der Union bei den laufenden Koalitionsverhandlungen über die geplante Reform der ärztlichen Versorgung. AOK-Chef Jürgen Graalmann rechnet mit einer Kostenlawine.
  • 5

Düsseldorf"Wir haben darauf vertraut, dass die Union ihre Ankündigung einhalten wird, die Beitragszahler nicht für zusätzliche Honorarerhöhungen bei Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern zu belasten," sagte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann dem Handelsblatt. Die Ärzte hätten bereits in den vergangenen drei Jahren hätten rund zehn Mrd. Euro mehr erhalten.


Inzwischen sehe es aber so aus, als sei die Union auf dem besten Wege, erneut vor der Ärztelobby einzuknicken. Auslöser des Alarmrufs der Ortskrankenkassen sind die überarbeiteten Pläne der Union für das Reformgesetz, mit dessen Hilfe Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine drohende ärztliche Unterversorgung in ländlichen Regionen verhindern will. In ihrem ersten Konzept sei die Union noch von einer ausreichenden Gesamtzahl von Ärzten in Deutschland ausgegangen und habe auf eine bessere Verteilung der vorhandenen Mediziner gesetzt. "Nun steht die empirisch unhaltbare Lyrik eines Ärztemangels im Vordergrund."


"Es kann nicht sein, dass sie die Zeche dafür zahlen müssen, dass die Politik nicht den Mut hat, auch das Problem der Überversorgung anzugehen," warnte Graalmann. Besonders beunruhigt sind die Kassen über den Plan, die Richtgrößen für die von den Ärzten veranlassten Verschreibungen von Medikamenten und Heilmitteln abzuschaffen. "Wenn das geschieht, werden die Ärzte wieder alles verordnen, was die Pharmaindustrie ihnen einflüstert, auch wenn es nur teuer und nicht besser ist", warnte Graalmann. Er erwartet allein von der Abschaffung der Richtgrößen Mehrausgaben für die Kassen von zwei Milliarden Euro im Jahr.

Kommentare zu " Gesundheitsreform: AOK-Chef warnt vor Kostenlawine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das System ist unkontrolliert: das System wird von allen in Anspruch genommmen: vor allem von den Leistungsnehmern = Patienten. Dafür bezahlen sie auch. Ob die Leistungen bezahlbar sind für alle - dies ist die Gretchenfrage.
    Sie sollten zweckmäßig, wirtschaftlich, ausreichend und sinnvoll sein. - Nur heute soll alles machmar sein: der Krebs und Autoimmunkrankheiten sollen besiegt werden, Herzen, Nieren, Knochenmark und Lebern transplantiert werden, Gelenke ausgetauscht, Seh- und Hörprothesen eingesetzt werden: die Schraube läßt sich noch sehr weiterdrehen... - die Politik traut sich nicht und kann diese Spirale nicht bremsen. Wer dies in Deutschland versucht, wird öffentlich geköpft!

  • Alte immer wiederkehrende Kllischees werden angeführt:angebliche Überversorgung, die man per Federstrich durch ein Ministerium regulieren und "verteilen" kann, Bezahlung nach Kassenlage und nicht nach angeforderter Leistung, Inflationsausgleich = Einknicken vor den Ärzten. Grungesetzwidrige Bestrafung von Ärzten = Überschreitung von Richtgrößen, die der Arzt aus seiner eigenen Tasche zahlen muss: deren Abschaffung ist gleich Einknicken vor der Pharmalobby.
    Selbstverständlich hat der Mensch Anspruch auf die teuersten lebensverlängernde Maßnahmen - in Münster wird ein riesige neue Klinik gebaut nur für Knochenmarkstransplantationen! Welcher "Topf" soll dafür gekürzt werden?

  • Die Politik hat sich bei ihren Einmischungen in das sogenannte ´Gesundheitssystem´ noch nie an den finanziellen Möglichkeiten der Versicherten (den Trägern des Systems) orientiert o. sich dafür interessiert, sondern immer lediglich versucht, irgendwie ihre Klientel aus der Pharmaindustrie i.w.S. u. der Ärzteschaft zufrieden zu stellen.

    Das ´System´ ist zu einem Selbstbedienungsladen der Leistungserbringer verkommen und gehört nicht "dauerreformiert", sondern auf grundlegend andere Füße gestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%