Gewalt gegen Flüchtlinge
Politik ruft Prominente zur Hilfe gegen Rassismus

Die zunehmenden Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte alarmieren die Politik. Immer lauter werden Rufe nach einem „Aufstand der Anständigen“ gegen Fremdenfeindlichkeit. Auch Prominente sollen Flagge zeigen.
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BerlinDie ablehnende Haltung mancher Bürger gegenüber Flüchtlingen gipfelt zunehmend in fremdenfeindlicher Gewalt.  „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Wir schließen nicht mehr aus, dass Rechtsextremisten gezielt Anschläge auf bewohnte Flüchtlingsunterkünfte verüben, bei denen es auch zu Opfern kommen könnte.“

Die mehr als 200 Straftaten gegen Flüchtlingsheime allein im ersten Halbjahr zeigten, wie sehr sich die fremdenfeindliche Stimmung in Teilen der Bevölkerung aufgeheizt habe. Im Internet, aber auch bei öffentlichen Anlässen würden Rechtsextremisten unverhohlen mit Übergriffen auf Asylsuchende drohen. „Der Schritt vom Maulheldentum zu realen Gewaltaktionen ist klein“, sagte Maaßen. Die Sicherheitsbehörden würden alles tun, um Anschläge wie vor Jahren in Hoyerswerda, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen zu verhindern. Lösen müssten das Problem jedoch in erster Linie die Gesellschaft und die Politik.

In der Politik ist man schon alarmiert. Nach dem SPD-Bundeschef Ralf Stegner rief nun auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), Prominente aus Gesellschaft und Kultur zum verstärkten Einsatz gegen jede Art von Fremdenhass und Rassismus auf. Er begrüße jedes Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. „Sich für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft einzusetzen und deutlich Stellung zu beziehen, ist ein ganz wichtiges Signal. Prominente, die eine Vorbildfunktion haben, können durch ihr Beispiel viele Menschen ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren“, sagte Haseloff dem Handelsblatt.

Stegner sagte dem Handelsblatt, gegen Intoleranz, Rassismus, verbale Hetze gegen Schwächere und Angriffe auf Flüchtlinge müsse sich die Zivilgesellschaft zur Wehr setzen.  „Wenn das gerade auch die Frauen und Männer tun, die im Sport, in der Musik oder in anderen Bereichen als Idole eine Vorbildfunktion erfüllen können, dann ist das sehr zu begrüßen“, fügte der SPD-Politiker hinzu.

Stegner nahm dabei Bezug auf den Sänger der Band „Die Ärzte“, Farin Urlaub, der sich in einem Interview deutlich zu den Themen Pegida, Fremdenhass und Rassismus geäußert hatte. Zuletzt hat auch Schauspieler Til Schweiger mit seinen jüngsten Wortmeldungen gegen Fremdenhass in Deutschland für Aufsehen gesorgt – und auch den Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel auf sich aufmerksam gemacht.

Gabriel griff zum Telefonhörer, um mit dem „Tatort“-Star über das Thema zu reden, wie die SPD bestätigte. Schweiger hatte sich entsetzt über fremdenfeindliche Äußerungen auf seiner Facebook-Seite gezeigt. Gabriel wiederum postete bei Facebook: „Den Zorn von Til Schweiger kann ich gut verstehen. Und es ist gut, dass er lautstark protestiert. Hoffentlich tun das noch mehr.“

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende sagte: „Wir brauchen einen Aufstand der Anständigen gegen den Ungeist der Menschenfeindlichkeit und Gewalt. Das Land, aus dem einst Menschen vor der Nazidiktatur fliehen mussten und anderswo Aufnahme fanden, muss heute den Artikel 1 des Grundgesetzes - Die Würde des Menschen ist unantastbar - mit Leben erfüllen.“

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  • Wieder einmal stellen wir fest, daß die Politik hilflos den Flüchtlingproblehm gegenüber steht. Mit hohlen Phrasen ist dieses Problem nicht zu lösen.
    Ich behaupte einmal , daß einnicht geringer Teil der Gesellschaft den Zuwanderern ablehnt gegenüber steht. Dieses hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Nachdenklichkeit und Realität.
    Deutschland ist eines der dichtbesiedelten Gebiete der Welt. Ein Schrumpfungsprozess - um 3 oder 4 Mio Menschen - kann dem Stückchen Lebensraum Erde für welches wir verantwortlich sind nur guttun.
    Wir benötigen diese Menschen auch nicht als Arbeitkräfte, aufgrund der Digitalisierung und Automation werden wir in den kommenden Jahre viele Arbeitsplätze verlieren. Studien aus der USA, der niederländischen Bank INGDiba sowie aus dem Haus der SPD-Chefideolgin Andrea Nahles belegen dies eindeutig.
    1927 hatten wir 2 Mrd Menschen, heute sind es 7,2 Mrd im Lebensraum Erde, 2027 werden es 8 Mrd und 2050 9,7 Mrd Menschen sein - UN-Zahlen -. Wo sollen diesen Menschenmassen noch die Möglichkeit finden ihren Lebensunterhalt zu sichern? Durch die ständige Aufnahme von Zuwanderern wird es zwangsläufig auch in Europa zu Verarmung und Verelendung kommen und damit zu ineren Unruhen.
    Ob es den realtätisverlustgeprägten und gedankenlosen Teilen der Gesellschaft passt oder nicht, daß Problem muß heute gelöst werden und durch das in die rechte Tonne treten unliebsam Meinungen.

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