Gewalt in Stadien
DFB: Fußballklubs nicht an Polizeikosten beteiligen

In Chemnitz haben die Verantwortlichen des deutschen Fußballbundes und die Innenminister der Bundesländer über Maßnahmen gegen die zunehmende Gewalt in Fußballstadien beraten. Zunächst gab es allerdings erst einmal ein dickes Lob für Sachsen.

HB CHEMNITZ. "Die Situation in Sachsen ist besser geworden", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, vor dem Start der Unions-Innenministerkonferenz am Donnerstag in Chemnitz. "Sachsen ist ein Fußballland." Es gebe nur noch eine relativ kleine Anzahl von Spielen, bei denen es zu Gewalttaten komme, sagte Zwanziger. Außerdem sei kein Ost-West- Gefälle mehr zu erkennen.

Das Risiko, dass es zu Ausschreitungen kommt, ist laut Zwanziger und dem hessischen Innenminister Volker Bouffier mittlerweile außerhalb der Stadien größer als innerhalb. Daher lasse Hessen nun auch Bahnhöfe und Autobahnraststätten von der Polizei bewachen, sagte Bouffier. Er verteidigte die hohe Polizeipräsenz bei sogenannten Risikospielen. Durch dieses frühzeitige Einschreiten sinke die Gefahr von Ausschreitungen. Bouffier räumte ein, dass die Einsätze für die Beamten eine große Belastung seien. "Es zahlt sich auf Sicht aber aus", sagte er.

Der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo will auf dem Treffen, das noch bis Freitag dauert, das sächsische Konzept vorstellen, das nach schweren Ausschreitungen vor rund zwei Jahren initiiert worden war. So erhalten seitdem etwa die Fanprojekte mehr Geld. Insgesamt stellen ihnen Land, Kommunen und DFB rund 900 000 Euro im Jahr zur Verfügung. Außerdem versorgen bei Risikospielen Drohnen - unbemannte Flugobjekte - Staatsanwaltschaft und Polizeieinsatzleitung mit Luftbildern, ein bundesweit bislang einmaliges Projekt.

DFB-Chef Zwanziger hat erneut energisch Forderungen zurückgewiesen, die Vereine sollten sich an den Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen beteiligen. Dies wäre eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit", sagte Zwanziger am Donnerstag bei einem Treffen der Unions-Innenminister in Chemnitz. Allein der Ordnungsdienst in den Stadion koste die Clubs rund 20 Mio. Euro im Jahr, außerdem würden die Vereine jedes Jahr etwa 700 Mio. Euro an den Fiskus überweisen. Von den jährlich rund 80 000 Fußballspielen werden etwa 1900 als Risikospiele eingeschätzt.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte am Donnerstag dagegen von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine Gebühr von 75 Mio. Euro je Saison. Die DFL kassiere "gigantische Summen, der Staat geht leer aus, so darf das nicht weitergehen", hieß es in einer Erklärung. Die DFL kassiere Milliarden, "die Polizei kassiert nur Prügel, das muss aufhören". Mit den 75 Mio. Euro sollten wenigstens die Überstunden der Polizisten "anständig bezahlt" werden können. Dieser Betrag entspreche etwa der Hälfte der tatsächlichen Personalkosten für die Polizei bei Fußball-Einsätzen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordrhein-Westfalens hatte sich am Donnerstag Zwanzigers Auffassung angeschlossen und sich gegen eine finanzielle Beteiligung des DFB an den Kosten der Polizei-Einsätze im Umfeld von Fußballspielen ausgesprochen. "Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist Aufgabe des Staates. Sie ist Aufgabe der Polizei und nicht Aufgabe privater Vereine", hieß es in einer GdP- Mitteilung. Für Fußballspiele gelte nichts anderes als etwa für Karnevalsumzüge oder für eine Fronleichnamsprozession. "Auch dort käme niemand auf die Idee, die Veranstalter für den Polizeieinsatz zur Kasse zu bitten", hieß es.

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