Gewerkschaft stellt Tarifabschluss 2006 in Frage
IG Metall kämpft für die Steinkühler-Pause

Die IG Metall in Baden-Württemberg will mit allen Mitteln gegen die Abschaffung der „Steinkühler-Pause“ kämpfen. „Ohne Fortführung der Regelung wird es keinen Tarifabschluss im Jahre 2006 geben“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann am Donnerstag. Hofmann warnte, die Arbeitgeber provozierten einen heftigen Konflikt. „Im Vorfeld der heraufziehenden Tarifrunde stellt die Kündigung eine unnötige Verschärfung der Gangart dar“, so der Gewerkschafter.

str BERLIN. Hofmann sagte, nach der Kündigung denke die IG Metall darüber nach, die Pausenregelung auf ganz Baden-Württemberg auszudehnen. Derzeit gilt sie nur im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden. Zugleich warf der Gewerkschafter den Arbeitgebern vor, die bevorstehende Tarifrunde zu belasten. „Südwestmetall hat Öl ins Feuer gegossen“, sagte Hofmann. „Was hier versucht wird, ist knallhart Kosten zu senken.“

Die Arbeitgeber hatten den Tarifvertrag, in dem die Steinkühler-Pause für Nordwürttemberg/Nordbaden festgelegt ist, zum 31. Dezember 2005 gekündigt. Er regelt unter anderem die Erholungspausen für Beschäftigte, die auf Akkordlohnbasis arbeiten. In jeder Stunde wird ihnen eine fünfminütige Pause bezahlt. Zusätzlich haben sie Anspruch auf eine dreiminütige Pause „für persönliche Bedürfnisse“. Die IG Metall hatte die nach ihrem damaligen Bezirksleiter Franz Steinkühler benannte Regelung 1973 mit einem dreiwöchigen Streik durchgesetzt. Von der Bestimmung profitieren nach Angaben der Gewerkschaft 75 000 Arbeitnehmer, nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall sind es 50 000 bis 60 000.

Die Kündigung des Vertrages betrifft zunächst nur gut zwei Dutzend Unternehmen. Es handelt sich dabei um die Unternehmen, die bereits heute das 2003 zwischen den Tarifparteien ausgehandelte Entgeltrahmenabkommen (ERA) anwenden. Bei der Verhandlung über das ERA räumte die IG Metall den Arbeitgebern das Recht ein, den Tarifvertrag zur Steinkühler-Pause bis Ende 2005 zu kündigen. Bis Ende 2008 soll ERA in allen gut 900 Mitgliedsfirmen von Südwestmetall gelten. Geht es nach den Plänen der Arbeitgeber, wäre die Steinkühler-Pause damit Geschichte.

Der Konflikt um die Steinkühler-Pause könnte auf ganz Deutschland ausstrahlen. Die Abschlüsse im Südwesten werden häufig als Pilotabschlüsse herangezogen. Der Streit könnte nun die Vorbildrolle des Südwest-Abschlusses gefährden. Die Arbeitgeber geben sich allerdings gelassen. Beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall hieß es gestern, die Steinkühler-Pause sei eine „absolute Sonderregelung“, die in keinem Zusammenhang mit der anstehenden Tarifrunde stehe.

Allerdings hatte es in der Vergangenheit auch immer wieder Kritik an der Pilotfunktion des Tarifabschlusses im Südwesten gegeben. Die Arbeitgeberseite der Region wird stark von großen, gut verdienenden Unternehmen geprägt. Kleine und mittlere Betriebe in anderen Tarifregionen tun sich häufig schwer, die Abschlüsse umzusetzen.

Hofmann sagte, die IG Metall werde sich Zeit lassen, über neue Konzepte zur Arbeitsorganisation nachzudenken. Im Januar 2006 will die Große Tarifkommission ihre Forderung für die Tarifrunde 2006 aufstellen. Darin werde auch die finanzielle Komponente der „Steinkühler-Pause“ enthalten sein.

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