Großer Zapfenstreich
Schröder beim Abschied zu Tränen gerührt

Mit einem Großen Zapfenstreich hat sich die Bundeswehr am Samstagabend vom scheidenden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verabschiedet. Schröder zeigte sich von dem höchsten militärischen Zeremoniell der Truppe in Hannover sichtlich bewegt. Zeitweise standen ihm Tränen in den Augen. Am kommenden Dienstag endet Schröders siebenjährige Amtszeit mit der Wahl von Angela Merkel (CDU) zur neuen Kanzlerin.

HB HANNOVER. Unter den Klängen des Marsches des Yorck'schen Korps zog die Ehrenformation der 1. Panzerdivision am Samstagabend auf den Platz vor dem Rathaus, das mit seiner gewaltigen Kuppel an eine Pickelhaube erinnert. Dutzende Soldaten trugen Fackeln und hüllten die Szenerie in ein flackerndes Licht. Eingerahmt von vier Fackelträgern stand Schröder auf einem roten Podest zwischen dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, und dem scheidenden Verteidigungsminister Peter Struck. Bereits Zuvor hatte Bundespräsident Horst Köhler die Verdienste des scheidenden Regierungschefs gewürdigt.

„Herr Bundeskanzler, Ehrenformation zur Serenade und zum Großen Zapfenstreich angetreten“, meldete der Führer des Zapfenstreichs. Das Stabsmusikkorps spielte drei Stücke, die eigens für Schröder ins Programm aufgenommen worden waren. Bei kaltem Nieselregen erklang „Summertime“ von George Gershwin. Tränen traten Schröder in die Augen, als die Soldaten „My Way“ spielten, jenes Lied, das Frank Sinatra mit seiner Interpretation weltberühmt machte. Den Anfang der Serenade machte die „Moritat von Mackie Messer“ von Kurt Weill. Das Lied handelt vom Mörder Macheath, genannt Mackie Messer, der unerkannt Verbrechen begeht. Zum Schluss heißt es: „Mackie, welches war dein Preis?“ Bei der Nationalhymne sang Schröder mit. Auch hier standen ihm die Tränen in den Augen.

Die 600 Gäste, die nach einem Empfang im Rathaus die traditionsreiche militärische Veranstaltung von einer Tribüne aus verfolgt hatten, spendeten dem scheidenden Kanzler Beifall. Unter ihnen war Schröders Mutter Erika Vosseler. Vertreter der Landespolitik waren ebenso gekommen wie die politischen Weggefährten Franz Müntefering, Hans Eichel und Ulla Schmidt. Auch der künftige Außenminister Frank-Walter Steinmeier war unter den Gästen. Er war schon Chef der Staatskanzlei, als Schröder noch Ministerpräsident in Niedersachsen war und folgte seinem Chef als Kanzleramtsminister nach Berlin. Aber auch Freunde wie der Schauspieler und Kabarettist Otfried Fischer und der Sänger Klaus Meine waren gekommen, Schröder zu verabschieden.

Am Rande der Zeremonie protestierten nach Polizeiangaben rund 100 Friedensdemonstranten. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Die Polizei hatte das Gelände weiträumig abgeriegelt. Nur vereinzelt waren Trillerpfeifen zu hören.

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