Grüne
Linker Hanseat und Schneckentöterin aus dem Ruhrpott

Jürgen Trittin und Renate Künast sollen die Grünen als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf führen. Besonders grün sind sich die beiden nicht. Und unterschiedlicher von Herkunft und Temperament könnten sie kaum sein. Ob dieses Duo wirklich funktioniert?

BERLIN. Jürgen Trittin steht feixend hinter den Delegiertentischen. „Renate und ich? Da wird Renate aber vor Freude in die Tischkante beißen“, sagt er grinsend zu einem Vertrauten. Das ist Ende 2006 beim Kölner Parteitag, als gerade die ersten Spekulationen über eine Doppelspitzenkandidatur aufkommen.

Seit Anfang März ist aber klar: Fraktionschefin Renate Künast und Fraktionsvize Jürgen Trittin werden tatsächlich als Tandem die Grünen in die Bundestagswahl 2009 führen – und so gemeinsam das Erbe des unerreichten Joschka Fischer antreten. Am vergangenen Samstag haben sie sich den Segen des kleinen Parteitages in Berlin geholt. Im November soll ein großer Parteitag die Inthronisation perfekt machen. Konkurrenten sind nicht in Sicht.

Kann denn ein so ungleiches Tandem wie das von Künast/Trittin überhaupt funktionieren?

Die „herzliche Abneigung“, die ihnen zugeschrieben wird, ist auch beim kleinen Parteitag an diesem Wochenende in der Kreuzberger Jerusalemkirche spürbar. Sie posieren in Berlin zwar für die Fotografen, grün sind sie sich aber nicht. Während der gesamten Veranstaltung reden sie kein Wort miteinander – obwohl sie nur knapp zwei Meter entfernt sitzen. Als Künast am Vormittag als Erste nach ihrer Rede vom Podium zurückkehrt, wird sie vor Trittins Tisch von Claudia Roth umarmt und schaut kurz zu ihm hinüber, erhofft sich eine positive Reaktion. Doch „der Jürgen“ stiert angestrengt auf sein eigenes Redemanuskript.

Sie sind grundverschieden: Hier der intellektuelle, manchmal steife Bremer Sozialwissenschaftler, dort die temperamentvolle, mitunter überschäumende Ruhrpottlerin. Trittin (53), meist elegant gekleidet, entstammt hanseatischer Elite – schon die Großväter hatten führende Stellungen, der Vater war Prokurist der Bremer Tauwerk-Fabrik.

Die Arbeitertochter Künast (52), die gern kurze Lederjacken trägt, hat es nur gegen den Widerstand der Eltern über die Hauptschule hinaus und bis zum Jurastudium gebracht. Dass sie nicht zimperlich ist, wird klar, wenn sie zeigt, wie sie in ihrer Datsche überzählige Schnecken mit dem Spaten beseitigt. Bei der Bevölkerung gewann die Kämpferin gegen BSE und kindliche Fettsucht mehr Sympathien als Trittin, der seine Überlegenheit ungern versteckt.

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