Gustav Horn über Sigmar Gabriel
„Es gab SPD-Chefs, die sich für so etwas geschämt hätten“

Mit deutlichen Wort hat sich Sigmar Gabriel in die Griechenland-Debatte eingebracht. Doch sein „Wir-lassen-uns-nicht-erpressen“-Aufruf kommt bei vielen Genossen nicht gut an – vor allem ein Top-Ökonom ist enttäuscht.
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DüsseldorfIn der deutschen Regierungskoalition mehren sich die Stimmen, die für Härte gegenüber Griechenland plädieren. Auch auf sozialdemokratischer Seite. Allen voran prescht der Parteichef. In einem Beitrag für „Bild“ schreibt der Vizekanzler: „Der Schatten des Austritts von Griechenland aus der Euro-Zone bekommt immer mehr Konturen.“ Wenn es nicht bald eine Einigung gebe, drohe vielen in Europa der Geduldsfaden zu reißen. Die Regierung in Athen spiele ein gefährliches Spiel.

Schwere Vorwürfe richtet er an die griechische Regierung unter Premier Alexis Tsipras: „Immer neue, angebliche letzte Einigungsversuche beginnen den gesamten Prozess lächerlich zu machen. Immer mehr fühlen sich von der griechischen Regierung an der Nase herumgeführt“, sagte der SPD-Chef. „Wir wollen Griechenland helfen und sie auch im Euro halten. Aber nicht nur die Zeit wird knapp, sondern überall in Europa auch die Geduld. Überall in Europa wächst die Stimmung 'Es reicht!'“

Europa und Deutschland würden sich nicht erpressen lassen. „Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“ Mit dieser Haltung brüskiert Gabriel allerdings alle Genossen, die nicht in den Erpressungs-Chor einstimmen wollen. Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und selbst SPD-Mitglied, kommentierte Gabriels Ausführungen auf seiner Facebook-Seite: „Es gab SPD-Vorsitzende, die sich für so etwas geschämt hätten.“

Und der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) twittert zur Causa Gabriel: „Apropos 'Es reicht!' – Stimmt: Es reicht mit der sinnlosen Sparpolitik“. Linken-Parteichefin Katja Kipping wirbt via Twitter gleich für eine Solidaritäts-Demo an diesem Samstag in Berlin: „Aussagen der SPD zu Griechenland zeigen, wie wichtig es ist, auf die Straße zu gehen. Europa.Anders.Machen #20jBerlin.“ Die Demonstration unter dem Motto „Europa anders machen“ ist Teil eines europaweiten Aktionstages gegen die Europapolitik der Bundesregierung.

Auch auf Gabriels eigener Seite sammelten sich zahlreiche Postings unter dem Griechen-Beitrag des SPD-Politikers. Richard Heigl warf Gabriel vor, AfD-Positionen zu übernehmen. Immer wieder taucht der Vorwurf des Rechtspopulismus auf. Ein anderer Kommentator schrieb in Anlehnung an den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: „So etwas erwarte ich von Herr Scheuer, und nicht von dir. Ganz schwach.“

Nadia Glatzel wünscht sich von Gabriel, mal ein „bisschen sozial und demokratisch“ zu denken. „Herr Gabriel, Sie sind der Grund, warum ich aus der SPD austrete“, schreibt Ulla Claus-Graf. Dass Sie als Sozialdemokrat die Ärmsten in Griechenland erneut mit Rentenkürzungen mit dem Rasenmäher auf einen Schnitt von 350 € kürzen, die Löhne runter, dafür die MwSt bei Strom um 10% erhöhen, wie sollen dann die Menschen noch (über)leben können? Keine medizinische Versorgung mehr, kein Strom für warmes Essen oder im Sommer für den Kühlschrank – das bringt die Armen dann wenigstens sozialverträglich ins Grab.“

Doch der SPD-Chef hat auch Unterstützer. Einer, der als Florian Fiele kommentiert, schreibt in seinem Posting: „Klare Worte, Herr Gabriel! Es freut mich, dass die Bundesregierung das im Grundsatz ähnlich sieht wie viele Bürger und Volkswirte. Geostrategische Überlegungen der NATO, solidarische Überlegungen der EU hin oder her: Wenn sich dieses Theater in solch extremer Form weiterführt, muss mit dem berühmten Ende mit Schrecken ein Schlussstrich gezogen werden.“

Kommentare zu " Gustav Horn über Sigmar Gabriel: „Es gab SPD-Chefs, die sich für so etwas geschämt hätten“"

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  • Ausgerechnet der Horn.
    Der soll doch seinen Mund halten

  • Schade : immer wenn sich ein Parteivorsitzender der SPD an der wirtschaftlichen Realität orientiert, wird er von seinen linken Genossen ausgebremst.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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