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CDU-Haushälter rechnet mit IWF-Ausstieg aus Griechen-Hilfe

Neuer Termindruck im Griechenland-Poker: Die internationalen Geldgeber Athens haben genau eine Woche Zeit, um ihren Streit über die Rettung Griechenlands zu lösen. Doch möglicherweise kommt es noch schlimmer.
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BerlinBis zu ihrem Griechenland-Sondertreffen am kommenden Dienstag müssen die Euro-Finanzminister schwierige Fragen klären. Einig sind sich die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF), dass das pleitebedrohte Land zwei zusätzliche Jahre Zeit zum Sparen bekommen soll. Umstritten ist aber, bis wann Athen seine Schulden auf ein erträgliches Maß reduzieren muss und wie die Mehrkosten von knapp 33 Milliarden Euro aufgefangen werden. Die europäischen Aktienbörsen zeigten sich am Dienstag angesichts der anhaltenden Unsicherheit nervös und lagen bis zum Nachmittag im Minus. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Der Haushaltsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Willsch, rechnet damit, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der IWF aus der Griechenland-Hilfe der internationalen Geldgeber aussteigt. Hintergrund ist der Konflikt bezüglich des Zeitplans für die Verminderung der griechischen Schulden zwischen dem Fonds und der Eurogruppe. IWF-Chefin Christine Lagarde besteht auf der bisherigen Abmachung, dass das Land seine Schulden bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken muss. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte dagegen in der Nacht, Athen müsse das Ziel nun erst im Jahr 2022 erreichen.

Minister Schäuble unterstützte Juncker. Es könne sein, dass das Ziel von 120 Prozent wegen der schwächeren Wirtschaftsentwicklung „möglicherweise in 2020 noch ein wenig zu ehrgeizig ist“, sagte Schäuble. Die Kassenhüter versuchten den Eindruck eines Konflikts zu zerstreuen. „Ich glaube, dass es keinen Streit zwischen IWF und Eurogruppe gibt“, sagte Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden.

Der CDU-Haushälter Willsch hält es dagegen für möglich, dass der Fonds bald die Reißleine zieht. „Der IWF bereitet geraumer Zeit seinen Abgang vor“, sagte er Handelsblatt Online. Am ersten Hilfspaket für Griechenland sei der IWF noch mit einem Drittel beteiligt gewesen, am zweiten nur noch mit etwa 20 Prozent. Auch war beim Euro-Rettungsfonds EFSF „zwingend vorgesehen“, dass der IWF mit an Bord sei, beim permanenten Rettungsschirm ESM solle dies hingegen „nur angestrebt“ werden.

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"Griechenland ist ein Fass ohne Boden"

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Schäubles Griechenland-Alternativen

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  • 1: Der IWF - Frau Lagarde - hat sich vor noch nicht allzu langer Zeit selbst massiv für mehr Zeit für Griechenland stark gemacht hat. Damals war D. massiv dagegen, obwohl abzusehen war, dass unsere Zeitvorstellungen illusorisch waren. Wenn der IWF jetzt gegen eine Fristverlängerung ist, muss das andere Gründe haben, die hat mir die dt. Presse aber bisher verschwiegen.

    2: Wir reden von falschen Zahlen. Die griechische Neuverschuldung und Gesamtverschuldung fallen nicht, sondern wachsen, zum Teil nicht obwohl, sondern weil die Griechen sparen. Die positiven Effekte massiver Sparmaßnahmen brauchen sehr lange. Kurzfristig schadet Brutalsparen einer Volkswirtschaft erheblich, d. h., das BSP sinkt, so dass der realtive Anteil der Schulden (neu und alt) ggü. dem BSP natürlich wächst. Ich hätte gerne mal die Anteile, berechnet in Relation zum BSP zu Beginn der Schuldenkrise. Dann könnte man Fort- oder Rückschritt bewerten.
    3: Die Krisengewinne Deutschlands (Zinsverringerungen, Exportsteigerungen, Zinsabstandsgewinne bei Krediten an G. mit höheren Zinsen, als das Geld von D. geliehen wurde etc.) sind den dt. Belastungen gegenüberzustellen.
    4: Aus den Krisengewinnen werden massive Verluste mit strukturellen Schäden für die dt. Exportwirtschaft, wenn der € zusammenbricht. Eine eigene, überbewertete Währung verkraften wir nicht.

  • Und was machen wir dann statt dessen?

  • Genau wie Gegenreden zum Holo kaust!!
    Die Völker, insbesondere die Bewohner der BRD, werden verarscht für eine "höhere Sache"!

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