Handelsblatt exklusiv
Manager sagen Nein zur Atomkraft

Eine Umfrage ergibt: 59 Prozent der Führungskräfte halten den Ausstieg aus der Atomkraft für den richtigen Weg. 1999 waren noch 70 Prozent der Führungskräfte gegen einen Ausstieg.
  • 10

Frankfurt/BerlinAuf den Chefetagen der deutschen Wirtschaft findet ein Umdenken statt: Die Mehrzahl der Führungskräfte (59 Prozent) vertreten die Auffassung, dass ein kompletter Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft in Deutschland „der richtige Weg“ sei.

Das ist das Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors, einer repräsentativen Umfrage unter knapp 800 Führungskräften in Deutschland, die das Psephos-Institut im Auftrag des Handelsblattes vom 26. April bis 11. Mai befragt hat.

1999 waren die Führungskräfte für den Handelsblatt Business-Monitor schon einmal gefragt worden, ob sie für oder gegen einen Ausstieg Deutschlands aus der Nutzung der Kernenergie seien: Damals waren noch 70 Prozent dagegen. 

„Die Führungskräfte gehen offenbar davon aus, dass ein Lobbykampf für Atomenergie angesichts der Ereignisse in Japan und des Kurses der Bundesregierung aussichtslos ist“, sagt Psephos-Chef Hans-Jürgen Hoffmann. Sei seien allerdings „sehr enttäuscht“, wie unstrukturiert die Regierung den Ausstieg plane.

70 Prozent betrachten aktuell das nach der Katastrophe von Fukushima ausgesprochene Moratorium für die ältesten Meiler als „blinden Aktionismus“, 73 Prozent halten eine „europaweit abgestimmte Energiepolitik“ für notwendig.

Dabei schreckt selbst ein enger Zeitplan für den Atomausstieg die Mehrzahl aller Manager nicht. 61 Prozent sind der Überzeugung, dass eine „sichere und ausreichende Stromversorgung“ in Deutschland selbst dann gewährleistet ist, wenn die Bundesregierung den Ausstieg bis 2022 umsetzt. Nur 28 Prozent verneinen diese Aussage. Allerdings sind selbst unter den Befürwortern des kompletten Ausstiegs 22 Prozent der Manager der Ansicht, vor 2030 sei der Ausstieg „nicht machbar“.

Eine deutliche Mehrheit der befragten Führungskräfte sieht in der Energiewende mehr Chancen als Risiken. Rund zwei Drittel sind davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft vom Einsatz erneuerbarer Energien profitieren wird, weil zusätzliche Arbeitsplätze entstünden. 

Etwa zwei Drittel stimmen auch der Aussage zu, die Energiewende werde anderen Staaten mittelfristig als Vorbild dienen. 56 Prozent halten auch die Angst vor steigenden Strompreisen nicht für gerechtfertigt, die mit der Energiewende verbundenen Kostensteigerungen könnten kompensiert werden. 

Kommentare zu " Handelsblatt exklusiv: Manager sagen Nein zur Atomkraft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Also da hängen doch im Grunde genommen nur einige Manager mal wieder ihre Mäntelchen in den Wind. Mehr nicht.
    Sie erhoffen sich bei einem sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft mal wieder hohe Subventionen von unserer Planwirtschafts-kanzlerin, mehr nicht
    Also im Klartext wir kleinen normalen Bürger finanzieren mal wieder
    Wir wollen wahrscheinlich alle auf Dauer von der Atomkraft weg, aber das muß mit Augenmaß und Verstand gemacht werden und nicht mit Hysterie und grünem Oko-Diktatat

  • Natürlich ist auch das denkbar. Im ersten Schritt wird Atomstrom für den Verbraucher teurer und im zweiten ist er dann nicht mehr wettbewerbsfähig und von mir aus verschwindet er dann irgendwann mal. Nur soll keiner erzählen, dass das ohne Kompensation durch Kohle oder Gas aufgefangen werden kann. Die Politiker stellen sich hin und sagen: das muss aber gehen. Na klar geht manches. Es muss aber immer eine Kosten/Nutzen-Rechnung geben. Der Privatverbraucher muss doch am meisten darunter leiden. Der zahlt doch jetzt schon den doppelten Strompreis eines Industriebetriebes. Wieviel soll er dann bezahlen und auf was soll er dann verzichten, damit die Industriekonzerne weiterhin ihre Gewinne steigern können?

  • @FoCS

    Ja richtig. Und die Volksverdummung geht sogar noch weiter. Da ist immer die Rede davon, dass eine Schule oder ein Dorf völlig autark und unabhängig von fossilen Energieträgern lebt. Weil sie angeblich mehr Strom "erzeugen", als sie verbrauchen und deshalb sogar ins vorhandene Netz ihre Überschüsse einspeisen. Klingt super. Nur dass es gelegentlich kein Wind und keine Sonne gibt und deshalb auch wieder aus dem vorhandenen Netz Strom aus Kraftwerken bezogen wird, das wird unter den Tisch gekehrt. Sollen sie doch mal die "Autarken" vom Netz kappen, damit den Mensch klar wird dass es ohne Kraftwerke nicht geht. Oder man lebt damit, dass es ab und zu dunkel bleibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%