Hauptstadtflughafen
BER – Projekt der vergebenen Chancen

Nach etlichen Verzögerungen soll der Berliner Flughafen BER nun im Herbst 2017 eröffnen. Doch die Altlasten wiegen schwer. Ökonomen sprechen von einem „Armutszeugnis“ und warnen vor wirtschaftlichen Nachteilen.

BerlinZwei Jahre ist es nun her, da feierte die Berliner Wirtschaft den geplanten Großflughafen in Schönefeld (BER) schon als „das wichtigste Infrastrukturprojekt der Hauptstadtregion“. Obwohl sich damals schon die Eröffnung wiederholt verschoben hatte, wagte die Industrie- und Handelsammer (IHK) damals sogar die Prognose, dass die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Berlin-Brandenburg „ganz wesentlich“ von der Inbetriebnahme des Flughafens und der Leistungsfähigkeit seiner Luftverkehrsanbindung abhänge.

Doch die Geschichte des BER wird immer länger. Erst kürzlich wurde bekannt, dass jetzt auch noch 600 Brandschutzwände erneuert werden müssen. Es ist das jüngste Kapitel in einer Serie von Bau- und Planungsfehlern, die seit mehr als drei Jahre aufgedeckt werden. Mancher Politiker hat die Hoffnung deshalb schon aufgegeben, dass es mit dem neuen Hauptstadt-Flughafen Berlin Brandenburg noch etwas wird. Doch das Projekt aufgeben und mit etwas Neuem beginnen, will eigentlich niemand.

Er halte die Inbetriebnahme des neuen Airports „weiterhin für machbar und auch für wahrscheinlich“ - wegen des Baufortschritts und des „immer größeren Erkenntnisstands der Experten auf der Baustelle“, sagte der Berliner Flughafen-Koordinator Engelbert Lütke Daldrup im Interview mit dem Handelsblatt. Er räumte jedoch zugleich ein, dass für den Starttermin noch eine „Kraftanstrengung“ nötig sei und keine weiteren Verzögerungen eintreten dürften.

Entscheidend für den weiteren Bauablauf ist nach Lütke Daldrups Darstellung, dass noch Baugenehmigungen für das Terminal ausstünden. Dabei geht es um Brandschutzfragen sowie um alle anderen noch aufgetretenen Veränderungen. „Ein zentraler Punkt ist in der Tat, dass die Genehmigungen im Winter erteilt werden, weil damit abschließend feststeht, was noch gebaut werden muss. Das ist sicherlich ein Big Point, keine Frage“, sagte Lütke Daldrup.

Ähnlich äußerte sich Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. „Wenn die Behörden den Nachtrag bis Februar abstempeln“, zitieren Bundestagsabgeordnete den BER-Chef, „dann ist es möglich, zum Winterflugplan 2017 in Betrieb zu gehen“. Aber auch nur dann. „Der Puffer ist weg“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Haushaltspolitiker Nobert Brackmann (CDU) dem Handelsblatt. Klar sei aber auch: Niemand wolle Druck ausüben, um nicht noch einmal ein Desaster beim Bau zu erleben. Und im Bundesverkehrsministerium heißt es nach Handelsblatt-Informationen: „Noch ein Fehler, dann ist auch der Starttermin Makulatur.“

Nach Einschätzung von Ökonomen könnten neue Bauverzögerungen beim BER erhebliche Nachteile für die Wirtschaft in der Region nach sich ziehen. „Eine leistungsfähige Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung für die Attraktivität eines jeden Wirtschaftsstandorts. Das Fehlen eines internationalen Flughafens ist weiterhin ein Standortnachteil für Berlin“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt. „Damit entgehen Berlin viele neue Jobs und Wachstumschancen.“

Aus Sicht von Klaus-Heiner Röhl, Experte für Strukturpolitik und Mittelstand am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, würde eine weitere Verschiebung der BER-Eröffnung von Herbst 2017 auf beispielsweise Frühjahr 2018 die wirtschaftlichen Nachteile für die Region wohl „nur noch marginal verstärken“. Röhl sagte jedoch auch: „Die mehrfachen Verzögerungen der Inbetriebnahme wirken sicherlich abschreckend auf Investoren und kratzen zudem am deutschen und Berliner Image.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%