Herbstgutachten mahnt beherzte Reformen am Arbeitsmarkt und verstärkten Subventionsabbau an
Arbeitsmarkt erholt sich in Trippelschritten

Eine durchgreifende Wende am Arbeitsmarkt lässt weiter auf sich warten. Dieses düstere Szenario malen die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, das dem Handelsblatt vorliegt. Doch es gibt einen kleinen Lichtblick.

BERLIN. Zwar werden sich nach Einschätzung der Institute im kommenden Jahr „die Beschäftigungsperspektiven etwas aufhellen“. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt allerdings nur geringfügig auf 4,76 Millionen sinken, schreiben sie ihn ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Das Gutachten wird am heutigen Donnerstag offiziell veröffentlicht.

Gegenüber diesem Jahr erwarten die Gutachter damit einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um etwa 120 000. Vor diesem Hintergrund mahnen sie erneut beherzte Reformen an. „Die bisherigen Maßnahmen im Rahmen der Hartz-Reformen reichen bei weitem nicht aus“, so die Institute. Sie verlangen unter anderem, das Tarifvertragsgesetz zu ändern, um betriebliche Beschäftigungsbündnisse rechtlich abzusichern. Dieser Plan der CDU/CSU ist allerdings schon zu Beginn der Koalitionsverhandlungen mit der SPD gestoppt worden.

Erst für die zweite Hälfte des Jahres 2006 sagen die Gutachter einen konjukturbedingten Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung voraus. Die Zahl dieser Normalarbeitsverhältnisse ist seit 2000 kontinuierlich von 28 Millionen auf zuletzt knapp über 26 Millionen gesunken. Einen wichtigen Anteil am erwarteten leichten Rückgang der Arbeitslosenzahl wird aber zunächst weiter der Ausbau der so genannten Ein-Euro-Jobs für Bezieher von Arbeitslosengeld II haben

Ihrer Prognose legen die Institute einen durchschnittlichen Anstieg der Tariflöhne um 1,5 Prozent zu Grunde. Das wäre zwar etwas mehr als in diesem Jahr, entspricht aber weiter der Linie einer eher moderaten Tarifpolitik. Einige Ökonomen hatten kürzlich Befürchtungen geäußert, insbesondere die IG Metall werde sich in der Tarifrunde von steigenen Verbraucherpreisen zu einem Kurswechsel verleiten lassen.

Nach Ansicht der Institute wird der Preisauftrieb im nächsten Jahr allmählich nachlassen, auch wenn ihren Annahmen weiter ein Ölpreis von rund 60 Dollar pro Barrel zu Grunde liegt. Im Jahresdurchschnitt rechnen sie mit einer Inflationsrate von zwei Prozent.

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