Hintergrund
Stichwort: Die Ostsee-Gaspipeline

Die Pipeline soll ab 2010 Erdgas aus Westsibirien nach Westeuropa transportieren. Die 1 200 Kilometer lange Leitung wird imrussischen Wyborg bei St. Petersburg beginnen und an der deutschen Ostseeküste in Greifswald enden.

Der Startschuss für den Bau der seit Jahren geplanten Pipeline durch die Ostsee ist gefallen. Der russische Gaskonzern Gazprom und die beiden deutschen Unternehmen Eon und BASF unterzeichneten gestern am Rande des deutsch-russischen Gipfeltreffens in Berlin eine Grundsatzvereinbarung zum Bau der "Nordeuropäischen Gasleitung".

Die Pipeline soll ab 2010 Erdgas aus Westsibirien nach Westeuropa transportieren. Die 1 200 Kilometer lange Leitung wird imrussischen Wyborg bei St. Petersburg beginnen und an der deutschen Ostseeküste in Greifswald enden. Zunächst ist der Bau eines Leitungsstranges mit einer jährlichen Kapazität von 27,5 Mrd. Kubikmeter geplant. Später soll eventuell ein zweiter Strang verlegt werden. Je Strang rechnen die Unternehmen mit Investitionskosten von über zwei Mrd. Euro.

Mit einer Auslastung von 55 Mrd. Kubikmeternkönnte die Pipeline zehn Prozent des europäischen Gasbedarf decken. Die Pipeline hat Abzweigungen nach Schweden und Finnland. Möglich ist auch ein Ausbau über die Niederlande bis nach Großbritannien. Insgesamt würden sich dann die Kosten auf 5,7 Mrd. Euro summieren.

Die drei Partner gründen für Entwicklung und Bau der Pipeline ein Joint-Venture. Daran wird Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit haben. Eon und BASF werden jeweils 24,5 Prozent halten. Dem Gemeinschaftsunternehmen können noch andere Firmen beitreten. Die Anteile von Eon und BASF würden sichentsprechend verringern. Gazprom will aber auf jeden Fall die Mehrheit behalten. In den kommenden Monaten wollen die Partner detaillierte Verträge ausarbeiten.

Gazprom wird mit dem Bau des Pipelineabschnittes, der über das Land führt, aber bereits im Herbst beginnen. Die Unternehmen wollen sich mit der Pipeline einen neuen Transportweg für die steigenden Lieferungen von russischem Gas schaffen. Schon heute ist Westeuropa der wichtigste Abnehmer. Allein Deutschland deckt 35 Prozent seines Gasverbrauchs mit russischem Gas. Der Anteil dürfte sogar noch weiter ansteigen, weil die Förderung in der Nordsee abnimmt und der Bedarf - zum Beispiel durch neue Gaskraftwerke - steigt.

Deutschland würde durch die Pipeline erstmals einen direkten Anschluss an die russischen Erdgasreserven erhalten. Bislang fließen die Importe durch Leitungen in Osteuropa. Im Gespräch war auch der Bau von neuen Leitungen durch die Ukraine beziehungsweise die baltischen Staaten und Polen.

Die Nachbarn in Osteuropa befürchten Nachteile für ihren Gastransit. Daher ist die neue Pipeline politisch umstritten. Die polnische Regierung hat sich in den vergangenen Wochen massiv beschwert. Nach dem Bau der Ostsee-Pipeline habe Russland künftig ein Gaspreis- Monopol und könne so die Politik der Nachbarländer beeinflussen, warnte gesternauchder litauische Europa-Abgeordnete Vytautas Landsbergis.

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