Hochspannung im Norden
Wer regiert Schleswig-Holstein?

Wer gewinnt das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD in Schleswig-Holstein? Kurz vor der Landtagswahl wirbt die Kanzlerin noch einmal für den CDU-Spitzenkandidaten. Die fast untergegangene FDP hofft auf Kubicki.
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KielSpannung bis zur letzten Minute: Vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein an diesem Sonntag sehen Umfragen CDU und SPD Kopf-an-Kopf. Die SPD mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig an der Spitze will die bisherige schwarz-gelbe Koalition ablösen. Die Abstimmung gilt als wichtiger Stimmungstest für die Wahl in Nordrhein-Westfalen eine Woche später - und auch für den Bund.

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel machte sich am Freitagabend beim Wahlkampf-Endspurt noch einmal für den Spitzenkandidaten der Union stark. „Jost de Jager muss Ministerpräsident dieses Landes werden“, sagte Merkel bei Pinneberg. „Er sagt, was er denkt, und er tut, was er sagt. Sie wissen, woran Sie bei ihm sind“, rief die Kanzlerin. De Jager wolle sich unter anderem für Bildung, Forschung, gute Verkehrswege und Investitionen in den Mittelstand einsetzen. Der Auftritt Merkels war die letzte große Veranstaltung der Nord-CDU vor der Landtagswahl.



Die FDP mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki könnte am Sonntag ihre Serie von Niederlagen stoppen - für eine Neuauflage der schwarz-gelbe Koalition wird es aber wohl nicht reichen. Der Linken droht nach nur zweieinhalb Jahren im Parlament das Aus, während die Piraten ihren Siegeszug fortsetzen dürften.

CDU und SPD liegen in Umfragen bei 31 bis 33 Prozent. Damit könnten die Sozialdemokraten ihre historische Niederlage von 2009 (25,4 Prozent) wettmachen. Vor allem Spitzenkandidat Albig ist beliebt - ihn wollen laut Umfragen deutlich mehr Bürger an der Spitze der Regierung sehen als seinen CDU-Rivalen de Jager.

Albig hat ein Bündnis mit den Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) zur Wunschkoalition erklärt, da es laut Umfragen für Rot-Grün allein wahrscheinlich nicht reicht. Es wäre das erste Mal, dass die Partei der dänischen Minderheit mitregiert. Doch auch eine große Koalition ist möglich. FDP-Hoffnungsträger Kubicki wirbt für ein Jamaika-Bündnis von CDU, Liberalen und Grünen. Eine klassische Ampel mit SPD, Grünen und FDP wäre ebenfalls denkbar.

Angesichts des ungewissen Ausgangs boten die Parteien im Wahlkampf ihre gesamte Prominenz auf - von SPD-Chef Sigmar Gabriel über die Grünen-Spitze Cem Özdemir und Claudia Roth, die am Samstag in Neumünster noch an einer Demonstration gegen Rechts an der Seite der Landesvorsitzende Eka von Kalben teilnahm.

Die Nord-Grünen rangierten zuletzt bei 12 bis 13 Prozent. Die Piratenpartei liegt zwischen 8 und 10, der von der Fünf-Prozent-Klausel ausgenommene SSW bei 4 Prozent. Die FDP könnte auf 6 bis 7 Prozent kommen. Die Linke liegt abgeschlagen bei 2 Prozent. Bei der Landtagswahl 2009 erzielte die CDU 31,5 Prozent, die SPD 25,4 Prozent, die FDP 14,9 Prozent und die Grünen 12,4 Prozent. Die Linke erhielt 6 Prozent und der SSW 4,3 Prozent. Zur Wahl sind mehr als 2,2 Millionen Bürger aufgerufen.

Ende März war im Saarland ein neuer Landtag gewählt worden, CDU und SPD bilden dort nun eine große Koalition. Am kommenden Sonntag folgt die Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ich lese hier viele flammende Appelle für die eine oder andere Partei. Die einzige Partei, die zum Euro klare Position bezogen hat waren die REP´s - und schon kommt der übliche Reflex - gut trainiert durch alle "Gut-Medien": radikal, populistisch, etc. Ich bin mir nicht einmal sicher, obwohl diese Partei demokratisch legitimiert ist, daß diese Kommentierung hier gebracht wird. Die Medienkultur dieses Landes ist ziemlich linkslastig geworden. Andere Meinungen werden konsequent verfolgt. Kommt einem irgenwie bekannt vor.

  • Männer können da nachfühlen und andere "familiäre" Mitglieder der Gesellschaft besser verstehen, wenn sich breite Grimassen über die Gefühle von unverheirateten Vätern immer wieder in der Gesellschaft auftun. Letztlich sind besorgte Väter daran schuld, daß sich ein größeres Loch, nicht nur in der Demoskopie, willentlich hervor tut.

  • fdp wäre ... ja nun, wählbar, wenn sie für die Wähler und nicht zuerst für das eigene Fortkommen stünde. Das andere Manko, viele derer der fdp "beigetreten" hatten einen Freifahrtschein für ein ungezügeltes Benehmen für die eigenen Belange und der überschaubaren Mitglieder. Wo sind die nun abgeblieben, daß ausgerechnete die "4. Gewalt" alles Mögliche erfindet, um irgendwie einen Platzhalter auf der bundesrepublikanischen Politbühne zu installieren. Immer dann, wenn das Ende der fdp vorhersagbar leicht sei. Ich finde trotzdem, irgendwann gehen auch die schönsten Märchen zu Ende. Oú est les Libérales?

    Einer steht immer noch im Hafen von New York. Ach wäre er doch dort geblieben, dann hätte es sich beizeiten ergeben, daß zwei "Großhirne", Rösler und Lindner sich nie hätte bekämpfen müssen. Aber so, der Prozeß findet sein Ende, in aller Öffentlichkeit, bei jeder Wahl ein wenig mehr.

    Glockenläuten.

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