Horn von Afrika
Deutsche setzen somalische Piraten fest

Nach einem erneuten Überfall von Piraten vor dem Horn von Afrika auf ein ziviles Schiff hat die deutsche Marine vor der Küste Somalias sieben mutmaßliche Piraten in Gewahrsam genommen. Karl-Theodor zu Guttenberg äußerte sich am Mittwoch erstmals zu seinem Verständnis über das neue Amt des Verteidigungsministers.
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BERLIN. Wie die EU-Marinemission „Atalanta“ in ihrem Hauptquartier im englischen Northwood mitteilte, reagierte die Besatzung der Fregatte „Karlsruhe“ im Indischen Ozean 650 Kilometer östlich der somalischen Hauptstadt Mogadischu mit der Gefangennahme auf einen Hilferuf von einem französischen Fischerboot.

In der Region ums Horn von Afrika – eine der weltweit wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten – wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 über 300 Angriffe von Piraten auf Handels- und Transportschiffe gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg der Piratenüberfälle um 200 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2008.

Die Piraten hatten das französische Fischereischiff am Dienstag dieser Woche angegriffen. Nachdem Sicherheitskräfte an Bord des französischen Trawlers Warnschüsse abgefeuert hatten, unterbrachen die Piraten den Angriff und versuchten zu flüchten. Von einem herbeigeeilten Bordhubschrauber der spanischen Fregatte „Canaris“ der EU-Marine wurden die flüchtenden Piraten mit Warnschüssen gestoppt.

Die deutschen Marinesoldaten sicherten nach der Gefangennahme der Piraten auf den beiden Motorbooten diverse Waffen. Die Bundesregierung muss nun in Absprache mit der „Atalanta“-Mission entscheiden, ob die Piraten in Deutschland angeklagt werden sollen oder wieder freigelassen werden, teilte die Bundeswehr mit. Statt einer Anklageerhebung in Deutschland könnten die Piraten zur Strafverfolgung auch nach Kenia, den Nachbarstaat des vom Bürgerkrieg zerrütteten Somalia, überstellt werden, sagte ein „Atalanta“-Sprecher am gestrigen Abend. Bis ein Gremium eine Entscheidung trifft, bleiben die Piraten an Bord der deutschen Fregatte, hieß es in Berlin.

Wegen der zunehmenden Zahl der Piratenüberfälle von meist gut bewaffneten Milizen vor dem Horn von Afrika hat die EU im vergangenen Jahr bereits Kriegsschiffe in die Region entsandt, um die weltweit wichtigste Handelsroute zu sichern.

Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betrachtet deutsche „Sicherheitspolitik als Teil der Außenpolitik“, sieht allerdings nicht die Gefahr, mit diesem seinem Verständnis des neuen Amtes seinem Kabinettskollegen, dem neuen Außenminister Guido Westerwelle, ins Gehege zu kommen. Es sei vielmehr wichtig, „komplementär“ zusammenzuarbeiten.

Zu Guttenberg sagte: „Aber natürlich wird der eine oder andere eigene Akzent auch gesetzt werden.“ Das liege in der „Natur der Sache“ und in der „Natur der Persönlichkeiten“, die diese beiden Ämter ausfüllen. „Das hat aber nichts mit Konkurrenzdenken zu tun“, sagte der neue Verteidigungsminister in seiner ersten offiziellen Stellungnahme zu seinem Selbstverständnis als Verteidigungsminister des Landes.

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