Horst Hippler im Interview
„Die Wirtschaft braucht Persönlichkeiten“

Ausländische Studis, doppelte Jahrgänge und Bewerber ohne Abi: Der Ansturm auf Hochschulen ist ungebrochen. Nun schlägt Horst Hippler, Chef der Hochschulrektoren, Alarm. Die Bildungsrepublik braucht nötig Studienplätze.
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Herr Hippler, als neuer Präsident der Hochschulrektoren stehen sie vor einem Desaster: Bis 2015 fehlen 300.000 Studienplätze.

Ja, da haben sich die Kultusminister klar verrechnet - der Zustrom an die Hochschulen ist fast doppelt so stark gestiegen, wie sie noch 2011 dachten. Wir hatten für 2013 420.000 Anfänger erwartet, stattdessen waren es schon 2011 520.000. Ich glaube auch nicht, dass das schon das Maximum ist.

Warum?

Es wird viel mehr Bewerber ohne Abitur geben, die oft Berufserfahrung mitbringen. Das ist ja auch politisch gewollt. Auch der Zustrom aus dem Ausland wird weiter steigen. Gerade junge Leute aus den Krisenländern werden bei uns studieren wollen, weil sie hier auf einen Job hoffen. Und wir brauchen ja mehr Akademiker.

Was kostet das?

Das kostet fünf bis sieben Milliarden Euro zusätzlich für das gesamte Studium der zusätzlichen Studenten, also bis 2017/2018. Die Hochschulen brauchen spätestens 2014 mehr Geld und zwar dauerhaft, denn die Studierendenzahlen werden auch darüber hinaus höher sein als gedacht.

Heute studieren 45 Prozent eines Jahrgangs. Ist das schon zu viel?

Noch nicht. Langfristig wird sicher jeder Zweite studieren. Natürlich müssen wir aufpassen, dass wir bei der beruflichen Ausbildung nichts kaputt machen. Die hohen Abbrecherquoten gerade bei den Ingenieuren sind ein Problem. Aber woher soll ein Abiturient wissen, was Elektrotechnik ist? Deshalb muss das System in alle Richtungen durchlässig sein. Daneben brauchen wir eine neue Art des Einstiegs - gerade weil die Gruppe der Anfänger-Bewerber immer heterogener wird.

Wie könnte der aussehen?

Wir bräuchten ein Einstiegsjahr, die Amerikaner nennen es 'freshman year'. Wir haben daher in Karlsruhe und Stuttgart das Pilotprojekt 'MINT-School Baden-Württemberg' gestartet. Studenten können sich im ersten Jahr orientieren und Mathe- oder Physikkenntnisse verbessern, an denen viele scheitern. Der Zulauf ist enorm und wir hoffen, dass es den Schwund vermindert. Denn die meisten scheitern nicht am Intellekt, sondern weil sie sich nicht schnell genug eingewöhnen und fachlich nachlegen müssen. So können wir uns auch verborgene Talente sichern. Im Regelfall geht das aber rechtlich noch nicht, weil es die Regelstudienzeit verlängert.

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  • Und wir brauchen ja mehr Akademiker.
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    Und wozu?
    Wir haben dann Akademiker als KFZ-Mechaniker, auch der normale Elektriker wird abgeschafft, da kommt dann ein Akademiker und macht mir meine Leitung, der normale Sachbearbeiter wird auch abgeschafft und die Klofrau wird auch Akademikerin,
    Nun ja, bei dem Bachelor-Quatsch kann das hinhauen, das sind ohnehin nur Halb-Akademiker und auch ansonsten haben wir an de unis nur geistige Tiefflieger, da schon das Abi nichts mehr wert ist
    Unsren Abiturienten fehlt doch jede wirkliche humanistische Grundlage, wie sollen die dann Persönlichkeiten werden?
    Und was soll der Quatsch, dass wir nun wieder Studienplätze bereits stellen müssen für ausländ. Studenten? Nebenbei bemerkt, hier können die ausländ. Studenten umsonst studieren, wenn wir unsere Kinder ins Ausland schicken auf die Uni, kostet das richtig Geld.
    Auf jeden Fall können wir uns freuen, in zukunft hat jeder Taxifahrr Abi und ein Akademiker steht bei Mac Donald und alle werden gleich verdienen
    Deutschland schafft sich ab und das auf ganzer Linie

  • Sie sprechen mir voll aus der Seele

  • Unterschreib ich sofort...so wie es da steht!

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