Horst Seehofer
„Berlin wird meine Kampfkraft spüren“

CSU: Erbschaftsteuer, Pendlerpauschale, BayernLB - der neue Parteichef Horst Seehofer will in der Großen Koalition Profil zeigen. "In München wird mein Arbeitsplatz sein, aber meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken", versprach er auf dem CSU-Parteitag.

MÜNCHEN. Es ist Tag eins nach seiner Wahl zum Parteichef, und Horst Seehofer macht sich ans Werk. Nach Berlin brach er gestern Nachmittag auf, um den wichtigsten Auftrag der CSU an ihren neuen Vorsitzenden umzusetzen. Im Kanzleramt traf er sich am Abend mit Angela Merkel zum Essen. Bei Spaghetti sollte es um die Erbschaftsteuer gehen und noch mal um die Pendlerpauschale. Und um den neuen Streit, der sich am Wochenende zwischen Berlin und München aufgetan hatte, die Frage nämlich, inwieweit die angeschlagene BayernLB mit Hilfen des Bundes rechnen kann. Doch unabhängig davon, welches dieser betagten wie neuen Themen beim Plausch mit der Kanzlerin zur Sprache kommen sollte, wollte Seehofer eines demonstrieren: dass er hier von Parteichef zu Parteichefin sprach, von Gleich zu Gleich.

"Ich werde dieser Koalition deutlich machen, dass sie aus drei Parteien besteht", hatte Seehofer am Tag zuvor auf dem CSU-Parteitag in München gesagt. "In München wird mein Arbeitsplatz sein, aber meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken", rief er aus. Jetzt muss sich zeigen, ob dieses neue Selbstbewusstsein der kleinen Schwesterpartei, ob diese Kampfansage an ungeliebte Kompromisse in der Großen Koalition mehr waren als nur salbungsvolle Worte für die wunde Parteiseele.

"Leben und leben lassen" - mit diesem Motto eines Liberalen hatte sich Seehofer am Samstag als Vorsitzender empfohlen. Seine Rede enthielt alles, was die CSU-Delegierten nach der herben Wahlniederlage aufrichten konnte. Lob für Günther Beckstein und seine Franken, ein paar Hiebe gegen Berlin. Selbstkritik ("Wir waren zu arrogant") und die Beschwörung alter Stärke.

Fast schien es, als sollte der kämpferische Ton die Sorgen seiner Partei überdecken. Für einen kurzen Moment hält Seehofer beide Hände ausgebreitet. Ein bisschen sieht er aus wie die Geistlichen, die zuvor mit den Delegierten gebetet haben. Er soll die CSU zu alten Erfolgen zurückführen. Und er muss die Partei einen, in der sich Franken und Oberbayern nach dem Rausschmiss Becksteins längst nicht wieder grün sind.

Seehofer spürt diese Erwartungen. "Ich bin kein Messias", sagt er. "Doch von der nächsten Woche an werde ich missionarisch in Bayern von Franken bis Schwaben unterwegs sein." Seehofer weiter: "Jeder, der immer noch denkt, ich sei ein Einzelgänger, einer, der sich tagelang mit Tütensuppen und Bananen wegsperrt, der wird sich jetzt wundern." Selbstironie? Die gehörte bislang nicht zur Stärke der CSU-Chefetage.

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