Hunderte Verdächtige ermittelt
Kinderschänder sollen härter bestraft werden

Der Ruf nach härteren Strafen ist nach der bislang größten Polizei-Operation gegen Kinderpornografie im Internet lauter geworden. So forderte die Gewerkschaft der Polizzei (GdP) schärfere Sanktionen für den Besitz von Kinderpornografie.

HB HAMBURG. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Fritz Rudolf Körper (SPD), sagte der „Welt am Sonntag“, die Fahndungserfolge hätten belegt, zu welch Ekel erregenden Taten Menschen fähig seien. „Dem müssen wir mit Härte begegnen. Ich schlage vor, das Strafmaß europäisch abgestimmt zu erhöhen.“ Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums sagte indes dem „Tagesspiegel“, die mit der Reform des Sexualstrafrechts geplante Anhebung der Strafen sei ausreichend.

Nach einjähriger Ermittlungsarbeit war deutschen Fahndern einer der größten Erfolge gegen die weltweit agierende Kinderpornografie- Szene gelungen. Allein in Deutschland wurden bei der Operation „Marcy“ hunderte Verdächtige ermittelt, die kinderpornografisches Material besessen oder verbreitet haben sollen.

Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg sagte, der Fahndungserfolg habe bewiesen, „dass erst die riesige Nachfrage nach kinderpornografischem Material dieses üble Geschäft beflügelt“. Die bisherige Strafandrohung - eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr für den Besitz solcher Fotos, Filme und Dateien - wirke nicht abschreckend genug. Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte höhere Strafen: „Wir müssen die Mindeststrafen deutlich anheben“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Er kündigte an, dies im Vermittlungsausschuss zum Thema zu machen.

Der Bundesrat hatte das vom Bundestag bereits verschärfte Sexualstrafrecht an Freitag nicht angenommen. Es sieht unter anderem einen eigenen Tatbestand für Kinderpornografie vor, der die Verbreitung und Herstellung mit einem Strafmaß von drei Monaten bis fünf Jahren ahndet.

Vor dem Landgericht Trier beginnt unterdessen am Montag die Berufung in einem Ende März verhandelten Amtsgerichtsverfahren gegen einen bekennenden Pädophilen, teilte die Behörde mit. Das Gericht hatte den inzwischen in Hamburg lebenden ehemaligen Trierer Grenzschutzbeamten wegen einschlägiger Vorstrafen zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der 48-Jährige hält sich hingegen für unschuldig.

Er war im März gemeinsam mit einem 43 Jahren alten Mathematiker aus Berlin wegen Verbreitung von Kinderpornografie über das Internet verurteilt worden. Die Männer setzen sich für legalen Sex mit Kindern ein und hatten in Trier ohne Erfolg die Eintragung als gemeinnütziger Verein beantragt.

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