Ifo-Institut
„Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“

Von der guten Konjunkturentwicklung sollen auch die Arbeitnehmer profitieren, sagen die Gewerkschaften, und fordern spürbare Lohnerhöhungen. Wirtschaftsminister Brüderle mahnt eine „intelligente“ Tarifpolitik an. Das Ifo-Institut rät zu höheren Löhnen vor allem für anspruchsvolle Jobs.
  • 7

dne/HB DÜSSELDORF. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) hält angesichts der starken konjunkturellen Entwicklung in Deutschland höhere Löhne für gerechtfertigt. In der Krise hätten viele Arbeitnehmer sehr niedrige Tariferhöhungen oder sogar sinkende Löhne hinnehmen müssen, was richtig gewesen sei, um Arbeitsplätze zu sichern. „Mittlerweile hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich erholt und vielerorts fahren die Unternehmen wieder Gewinne ein. Daran sollten auch die Arbeitnehmer partizipieren“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online.

Allerdings, schränkte Carstensen ein, dürften die Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt nicht ausgeblendet werden: „Für qualifizierte Tätigkeiten gibt es offensichtlich häufig genug nicht genügend Bewerber, hier sind steigende Löhne eine ganz natürliche Konsequenz“, erklärte der Ökonom. Bei weniger anspruchsvollen Jobs sei die Situation eine andere, zumal es noch viele Arbeitslose gebe, die in den Arbeitsmarkt integriert werden wollen. „Hier sind sehr maßvolle Tarifabschlüsse wünschenswert“, sagte Carstensen und fügte hinzu: „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Lohnsteigerungen, die das Problem der Arbeitslosigkeit wieder verschärfen.“

IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte mit Blick auf den wirtschaftlichen Aufschwung harte Tarifverhandlungen angekündigt. „Höhere Löhne sind gerecht und vernünftig. Sie sind gut für die Menschen und für die Konjunktur“, sagte Huber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Damit trifft der Gewerkschafter natürlich den Nerv der Beschäftigten. In einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Senders RTL meinen 86 Prozent der befragten Arbeiter und Angestellten, sie hätten eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung verdient. Dabei könnte sich die Mehrheit ein Plus von drei bis fünf Prozent vorstellen. Und: Drei Viertel der Befragten halten Demonstrationen und Streiks für gerechtfertigt, wenn Firmen, die nach der Krise wieder hohe Gewinne machen, keine höheren Löhne zahlen wollen.

Seite 1:

„Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“

Seite 2:

Kommentare zu " Ifo-Institut: „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie dem auch sei.

    Als durchweg "produktiv" jedenfalls erachten die politisch und administrativ Verantwortlichen indes abermalige Anhebung aller denkbaren Abgabenpflichten auf buerger, die noch Geld haben koennten.
    Und als "produktiv" wird erachtet, sodann zu sagen, dass es f.d. Volkswirtschaft "sehr hilfreich" sei, wenn das Volk doch bitte mehr und kraeftig konsumieren moechte.

  • Diesen und letzten Monat habe ich versucht in einen Minijob auf Lohnsteuerkarte zu kommen, damit beiträge in die Sozialversicherungskassen fliessen.
    ---
    Pauschal ist überall zu beobachten: Die Unternehmen möchte zwar die Lohnsteuerkarte undsoweiterhaben, aber Abgaben wollen Sie nicht bezahlen.

    Fallbeispiel:
    ich habe darauf bestanden, dass für mich die 30 % Pauschbetrag Sozialbeiträge in die Sozialversicherung gezahlt werden. Das machen wir nicht, sagte die buchhaltung. Sie müssen erst knapp ein Jahre Probezeit machen und danach ist es möglich.
    Doch die Erfahrung zeigte, nach einem Jahr suchen sie schon wieder jemand anders. Die Abgaben für mich hätten insgesamt 12 Euro gekostet. Doch das Unternehmen sagte : NEiN, es geht nicht.
    ---
    Diese Jobs alle in Deutschland, seien es Tankstellen, discounter werden mit Jugendlichen, Rentnern oder sonstigen Personen besetzt. Die Post wird mittlerweile von Studentinnen, jungen Frauen oder anderen ausgetragen.

    in allen diesen Fällen fliesst kein Geld in die gesetzliche Sozialversicherungen.

    Und die arbeitsfähigen Hochqualifizierten werden seit Jahren aus einer Tätigkeit ausgegrenzt und heruntergewirtschaftet.
    Warum? Weil einige wenige verdammt viel zu viel verdienen und die Arbeit weggespart wurde.
    Es gibt unter diesen gutverdienenden einige wenige Menschen mit Sozialkompetenz die das Geld weiterreichen aus eigener Tasche an Familie, Freunde und bekannte. Diese werden mitfinanziert und können nur dadurch überleben. Doch das löst das Grundsatzproblem nicht.

  • „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“

    Das finde ich auch. Es reicht doch, wenn Dagobert Duck, die banker, Politiker und Wirtschaftsbosse im Geld schwimmen. Wenn die Menschen irgendwann nicht mehr ihre Stromrechnung bezahlen können oder die Konjunktur wieder zusammenbricht, weil sich keiner mehr etwas leisten kann, dann werden halt einfach die Steuern erhöht. Das Geld wird dann an die banken und Konzerne überwiesen, damit diese nicht zusammenbrechen. Dann läuft der Laden wieder. Also einfach immer schön die Steuereinnahmen erhöhen. Vielleicht kaufen ja irgendwann Autos auch Autos. Obwohl Henry Ford schon so schlau war, dies auszuschließen und es für richtig hielt, dass wohl doch besser die Menschen Geld verdienen sollten, um die Autos zu kaufen. Dann brauchen wir nur noch Roboter, die alles produzieren und Ware, die sich selbst kauft. Wozu Löhnen, wozu Menschen? Das Volk hat mit Allem ein Einsehen. Die Situation lässt nichts anderes zu. Die Deutschen halten doch schon immer schön still. Verblöde die bevölkerung durch die Medien und sie glauben alles. Politik ist doch so einfach.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%