Ifo-Institut legt neue Berechnung vor
Mindestlohn gefährdet über eine Million Jobs

Das Ifo-Institut in München erwartet verheerende Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt, sollte ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden.

BERLIN. Nach einer aktuellen Berechnung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, könnten durch die Einführung eines Mindestlohns von 7,50 Euro 1,1 Mill. Arbeitsplätze verloren gehen. Laut der Schätzung des Ifo-Instituts seien 0,8 Mill. Jobs in den alten Bundesländern und 0,3 Mill. Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern bedroht. „Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns wäre ökonomisch ein völlig falscher Schritt und für Deutschland eine Katastrophe“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn dem Handelsblatt.

Die Zahlen der Münchener Wissenschaftler dürften die politische Debatte um Mindestlöhne weiter verschärfen. Beim Treffen des Koalitionsausschusses am kommenden Montag soll nach Vorstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Entscheidung fallen.

Als Grundlage für die Berechnungen dienten dem Ifo-Institut aktuelle Zahlen über die Gehalts- und Lohnstrukturerhebung im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich vom Statistischen Bundesamt. Während im Westen der Republik 3,1 Prozent der gut 26 Mill. Jobs in der Privatwirtschaft durch einen Mindestlohn gestrichen würden, sind es in den ostdeutschen Bundesländern sogar 6,4 Prozent.

Zu einem völlig anderen Ergebnis kam vor Wochen eine Studie der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Demnach sei durch einen gesetzlichen Mindestlohn kurzfristig mit rund 450 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu rechnen.

Der Bundestag hat einen Antrag der Linksfraktion zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns abgelehnt. Den Antragstext hatte die Linksfraktion aus einem Kampagnen-Aufruf der SPD für Mindestlöhne übernommen. Die Sozialdemokraten warfen der Linksfraktion eine „Polit-Show“ vor. Ebenfalls abgelehnt wurde ein Antrag der FDP, auf Mindestlöhne gänzlich zu verzichten.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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